Stellungnahme

Als wir damals angefangen haben, öffentlich über die progr. DIS zu schreiben, gingen wir davon aus, alle programmierten Systeme seien wohl ähnlich aufgebaut wie wir. Das erschien uns irgendwie nur logisch. Wir waren selber noch völlige Laien uns betreffend, hatten uns nie mit der Fachliteratur beschäftigt und standen noch nicht im Austausch mit anderen Systemen; drei Faktoren, die sich heute sehr stark verändert haben. 

Nach einiger Zeit erhielten wir die Rückmeldung, wir würden „verallgemeinern“ und „pauschalisieren“; wann immer wir über bei uns vorliegende Programme geschrieben haben sowie häufige Trigger, Auslösereize, Aspekte unserer Innenwelt aufgegriffen haben, hieß es von mancher Seite: „Also wir haben das alles nicht. Trotzdem sind wir auch programmiert. Man muss nicht so viel von allem haben oder so viele Innenpersonen haben, um programmiert zu sein!“ Mal abgesehen davon, dass wir das so nie gemeint haben, ist es bei einigen so rübergekommen. Auf Instagram (wo wir wesentlich aktiver sind; in der Word Press Community sind wir in der Regel gar nicht aktiv und nutzen diesen Blog eigentlich ausschließlich dafür, dass die Texte hier eine bessere Lesbarkeit haben) haben wir uns auch dafür entschuldigt, dass es bei einigen Lesern so angekommen ist. Ältere Beiträge, die so etwas implizieren könnten, haben wir archiviert.

Also haben wir wirklich vermehrt darauf geachtet, immer wieder zu betonen, dass wir von UNS, UNSERER Programmierung und UNSEREM Kult sprechen. Dass wir nicht für andere Tätergruppierungen sprechen können. Als auch, dass man sich bitte nicht mit uns vergleichen solle. Das war ein Zeitpunkt, an dem wir angefangen haben, uns sehr falsch zu fühlen; wie ein Außenseiter in der Community. Wir haben einige Helfermenschen und Experten auf diesem Gebiet befragt und auch sie haben uns wiederholt die Rückmeldung gegeben, dass es bei uns doch schon etwas anders sei als beim „Durchschnitt“. Und wenn es doch einmal eine einzelne Klientin gab, die ein bestimmtes Programm-Script ebenfalls hatte, dann lag es dort aber nur einmal, nicht mehrfach vor.

Ein befreundetes System, das nahezu identisch programmiert ist, hat sich u.a. an Berta als auch eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet gewandt (die wir namentlich nicht nennen möchten); sie dachten, dass wenigstens diese Menschen schon sehr viel Erfahrung mit Betroffenen haben und sich sicherlich gut auskennen. Es war ja keine 0815-Beratungsstelle, sondern eine spezialisierte. Aber auch dort: „Mh, ne, noch nie davon gehört. Klingt uns jetzt erst einmal zu komplex und zu kompliziert. Damit möchten wir sie lieber nicht behandeln und weiterhin begleiten. Suchen sie sich lieber woanders Hilfe; uns würde das hier nur überfordern.“ Auch wir kennen es von spezialisierten Behandlern, dass sie uns immer wieder Tipps an die Hand gegeben haben, die bei uns entweder völlig wirkungslos blieben oder Schaden angerichtet haben, weil sie an Programme gekoppelt wurden. Dann hieß es immer: „Mh, komisch. Bei allen anderen Systemen hat das bisher immer gut funktioniert. Ich weiß auch nicht, was falsch bei Ihnen ist.“ Solche Aussagen lösen wirklich unschöne Gefühle aus.

Unsere Frau hat angefangen, vermehrt im englischsprachigen Bereich nach Fachartikeln zu suchen und stieß dann eben auch erneut auf die Werke ehemaliger Programmierer in internationalen Kulten. Und endlich waren da so viele Gemeinsamkeiten und Parallelen. Endlich erfuhren wir so von anderen Betroffenen, denen es sehr ähnlich ergehen muss. 

Fortan achteten wir bei all unseren Texten darauf, entweder deutlich zu machen, wenn wir nur über uns und unser System schrieben, und gleichzeitig darauf hinzuweisen, wenn es in der Fachliteratur entsprechende Parallelen gibt. Nun wurde uns aber der Vorwurf gemacht, wir würden zu viel zitieren. Das sei nicht authentisch und außerdem „langweilig“. Auch diese Kritik haben wir uns wieder zu Herzen genommen und versucht, weniger Referenzen zur Fachliteratur zu nennen und überwiegend über uns und unsere Erfahrung zu schreiben.

Mit dem Resultat, dass sogleich Stimmen laut wurden, die meinten, wir würden mit unserer „Komplexität angeben“, seien „sehr arrogant“, „stolz auf unsere Programmierung“ und infolgedessen weiterhin (?) wohl „täterloyal“. Das hat uns damals wirklich sehr verletzt und getroffen, weil wir das alles auch nicht wollen. Aber sobald wir über uns schreiben, kommen diese Rückmeldung, bis wir eigentlich gar nicht mehr schreiben wollten und ganz knapp davor waren, alles zu löschen.

Als wir vor wenigen Jahren noch nicht wussten, was bei uns gemacht wurde und wir davon ausgingen, dass wir maximal mehrere hundert Innenpersonen seien, war das für die Leser vollkommen in Ordnung. Damals „durften“ wir schreiben. Als sich dann die Dimensionen verändert haben und wir dies auch so kommunizierten, war das nicht mehr okay. Wir dürfen über uns schreiben, aber müssen tunlichst vermeiden, auf die Programmierung einzugehen, damit sich Menschen nicht mit uns vergleichen. 

Es häuften sich auch immer wieder Fragen wie: „Warum könnt ihr nicht alleine wohnen? Warum benötigt ihr so viel Schutz? Warum laufen bei euch ständig irgendwelche Programme? Warum will sich ständig jemand umbringen? Warum seid ihr ständig getriggert?“ Und so weiter. „Na ja, so wurden wir eben programmiert. Das sind doch keine bewusste Entscheidungen“, erwiderten wir darauf.

Unsere Frau hat sich daraufhin ein wenig schlau gemacht und sehr viele Fachartikel studiert. So wissen wir zum Beispiel, dass sämtliche Systeme unseres Kultes nahezu zahlose Suizid-Programme haben, ganz gleich, welchen Rang die Betroffenen haben, die nach dem äußeren Ausstieg aktiv werden. In der Fachwelt findet sich diese Information jedoch kaum; wir kennen Betroffene rit. Gewalt, die ebenfalls programmiert sind, die relativ problemlos alleine wohnen können. Zwar gibt es auch hier Weglauf-Programme bzw. allgemein Programme zur Kontaktaufnahme zu Tätern, aber diese Frauen können den ganzen Tag alleine in ihrer Wohnung bleiben, ohne dass sie Gefahr laufen, dass sich jemand das Leben nimmt – und Möglichkeiten hierzu gibt es sehr, sehr viele. Diese Szenario wäre für uns absolut undenkbar. Und wir finden es sehr, sehr wichtig, dass Ausstiegsberatungen, Therapeuten etc. davon erfahren, damit sie nicht den Fehler machen, und eine*n ihrer KlientInnen ruhig dazu raten, alleine zu leben, so lange jemand die Tür zuschließt. Und am Ende sind sie tot.

Das ist nur ein Beispiel von vielen. 

Gleichzeitig haben wir, weniger auf Instagram als überwiegend auf Word Press, zunehmend die Rückmeldung erhalten, dass die Art und Weise, wie wir Programmierungen und TBMC beschreiben, nicht dem entsprechen würde, was sie erlebt haben. Nachdem wir (bzw. unsere Frau; wir lesen all diese Fachliteratur überhaupt nicht) uns lange Zeit über die Art und Weise, wie Kulte programmieren, sowohl wie es in der deutschsprachigen Fachliteratur als auch den englischsprachigen Fachartikeln sowie den Werken der Programmierer geschrieben steht, informiert haben, hatte uns diese Kritik erst einmal irritiert. Dann fiel uns aber wieder der Artikel von Dr. Ellen Lacter ein, in welchem sie 12 Stufen der Mind-Control beschreibt, „from simple to complex“; dort differenziert sie zwischen verschiedenen Ausprägungen einer Programmierung und nutzt Aussagen wie: „Much trauma-based mind control programming is SIGNIFICANTLY MORE COMPLEX, more technological in its methods of installation, and utilizes the individual’s dissociated identities (personalities) to effect greater layering of psychological effects.“ oder „IN HIGHLY SOPHISTICATED MIND CONTROL, the individual is programmed to perceive inanimate structures in the unconscious inner landscape.“ Die Verwendung von „Superlativen“ (hier absichtlich großgeschrieben, damit es im Text besser erkannt wird), die uns zuletzt vorgeworfen wurde, stammt beispielsweise von dort. Selber wären wir nie auf die Idee gekommen, eine Programmierung als „simple“ oder „complex“ zu beschreiben, weil allein der Umstand, dass ein Mensch programmiert wurde, nahezu unbeschreiblich grausam ist und zwangsläufig mit sehr viel Leid und Leidensdruck einher geht. Letztendlich sind wir dazu übergangen, ihre Formulierungen ebenfalls zu nutzen, nachdem uns, seitdem wir etwas offener über uns und unsere Programmierung schreiben, immer wieder rückgemeldet wurde, wir seien irgendwie „anders“ und „zu kompliziert“. Das sind alles Fremdzuschreibungen; sie kommen ursprünglich nicht von uns. Zuletzt haben wir angefangen, „Innenansichten dissoziierter Welten“ von Gaby Breitenbach zu lesen, sind dort aber noch nicht so weit gekommen, um fachlich korrekt daraus zitieren und ihre Worte wiedergeben zu können. So wie wir es aktuell verstanden haben, fügt sie eine neue Kategorie hinzu, die der inversiven Programmierung. Konkret schreibt sie, dass es folgende Abfolge gibt:

▪️Chronische Extremtraumatisierung (+Konditionierung durch Gewöhnung) [z.B. reaktive DIS]

▪️Chronische Extremtraumatisierung (+gesetzte gezielte Konditionierung) [z.B. reaktive DIS in der org. Gewalt/mit Wissen der Täter]

▪️ + Mind-Control + Programmierung 

▪️+ Inversive Programmierung

Auch sie nimmt Abstufungen bzw. Ausprägungen der progr. DIS vor, auf die wir uns zuletzt berufen haben. Wenn man uns nun die Verwendung dieser Begrifflichkeiten vorwirft, sind wir letztendlich die falsche Adresse bzw. der falsche Ansprechpartner. Falls diese Unterscheidungen in der DIS Community unerwünscht sind, sollte man ggf. darüber nachdenken, sich direkt an die Urheber zu wenden und Petitionen o.ä. zu starten.

Gleichzeitig, und das betonen wir auch immer, immer wieder, sind wir kein Einzelfall! Es wird weltweit mehrere tausend Systeme geben, die sehr ähnlich und in Teilen identisch aufgebaut sind wie wir. Auch in Deutschland gibt es leider sehr viele Programmierzentren, wo Kulte und Programmierer in einer Art „Fließbandarbeit“ jährlich viele ähnlich programmierte Systeme nach Schema F „produzieren“; und diese technischen Beschreibungen sind an dieser Stelle leider sehr zutreffend, weil sie Kinder nur als Ware, als Gegenstand betrachten. Nicht aber als menschlichen Wesen.

Was machen wir nun mit all diesen Erkenntnissen und Erklärungen? 

▪️ Als wir damals noch relativ allgemein ohne eigene Beispiele und Details geschrieben haben, wurden wir kritisiert, wir würden verallgemeinern.

▪️ Als wir daraufhin explizit über uns geschrieben haben, hieß es, wir würden angeben.

▪️ Als wir uns deshalb eine Zeit lang vermehrt auf Fachliteratur gestützt haben und eigene Beispiele wegließen, lautete die Kritik, das sei langweilig und nicht mehr authentisch. 

▪️ Als wir versucht haben, eigene Erfahrungen mit Fachliteratur zu kombinieren, war es erneut zu pauachalisierend und wir würden die Einzel- und Ausnahmefälle ausschließen. 

▪️ Als wir betont haben, dass unser Kult nun einmal so programmiert, wurde gesagt, wir würden uns wohl für etwas Besseres halten und hätten den elitären Gedanken der Täterorganisation verinnerlicht. 

▪️ Als wir sagten, dass vermutlich auch andere Kulte ähnlich programmieren, kamen wir wieder bei der Kritik an, dass wir verallgemeinern würden. 

▪️Als wir irgendwann dazu übergingen, zu erwähnen, dass unsere Tätergruppierung nun einmal sehr komplex programmiert, aber dass auch „einfache“ Programmierungen sowohl sehr wirkungsvoll als auch sehr schmerzhaft und leidvoll sind, waren wir wieder bei den Thema, dass wir angeben. Ganz egal, wie oft wir betont haben, man solle sich weder mit uns noch ganz allgemein miteinander vergleichen. 

▪️Also hatten wir zuletzt wieder allgemein geschrieben und uns explizit auf Fachliteratur gestützt, insbesondere bei dem Thema Programmierung und TBMC. Grundlage dieser Beiträge waren u.a. der Austausch mit ehemaligen Programmierern sowie deren Werke. 

▪️Das war aber wieder zu allgemein bzw. zu verallgemeinernd, sodass wir erneut gesagt haben, dass dies die „komplexste“ Form der Programmierung darstellt, aber das alles darunter ebenso valide und effektiv sei, hierzu haben wir uns dann auf oben genannte Quellen bezogen. 

▪️Und nun stehen wir an dem Punkt, da uns die Verwendung von Superlativen vorgeworfen würden und wir langsam aber sicher sowohl verzweifeln als auch wirklich die Lust verlieren. Ein Helfermensch meinte neulich, man könne es eben nicht allen Recht machen. Wir haben immer wieder auf die Kritik reagiert und unsere  Beiträge dementsprechend angepasst, obwohl gleichzeitig behauptet wird, wir seien maximal kritikunfähig. Dabei nehmen wir uns das Feedback durchaus zu Herzen. Überhaupt nur deswegen sind wir in den letzten Monaten bis hin zum letzten Jahr so sehr ins Schleudern geraten, weil wir das Gefühl haben, im Grunde gar nichts mehr sagen zu dürfen, weil es immer jemanden gibt, der sich daran stört. 

Wir wissen noch nicht, wie wir nun weiter vorgehen werden.

(Diese Worte teile ich nun als generelles Statement, weil es zu lange dauern würde allen Personen einzeln zu antworten, die etwas dazu geschrieben haben. Es tut uns wirklich leid, dass manche Personen sich invalidiert fühlen, wenn wir über unsere Erlebnisse schreiben, denn das war keineswegs unsere Absicht und wir schreiben eigentlich auch fast immer dazu, dass man sich bitte nicht mit uns vergleichen solle. Gleichzeitig wissen wir aber, dass dies automatisch geschieht – auch wir denken oftmals, wenn wir bei anderen Betroffenen mitlesen, dass die andere Person es „viel schlimmer getroffen hat als man selbst” und dass wir selbst irgendwie „falsch” sind. Ich glaube, das ist ein generelles Problem, welches die meisten Betroffenen haben. Auch wir sind davon nicht ausgenommen. Auch wir denken viel zu oft, dass das, was wir erlebt haben „gar nicht so schlimm war” und dass „wir uns nicht so anstellen sollten, weil Person XY geht es ja noch viel schlechter”. So geht es uns auch fast immer, wenn wir bei anderen Betroffenen mitlesen, allerdings wissen wir, dass dies nicht an den anderen liegt, sondern an uns und dass wir daran arbeiten müssen uns nicht mehr mit anderen zu vergleichen. Diese „Hausaufgabe” kann uns niemand abnehmen und das erwarten wir auch nicht. Deswegen käme es uns auch nicht in den Sinn, dies anderen Betroffenen mitzuteilen, weil sie schließlich nichts dafür können, dass wir so denken. Deswegen bringt es vermutlich auch nichts, wenn wir stets dazu schreiben man möge sich nicht mit uns vergleichen, weil dies nun mal automatisch geschieht. 😔 Eine Lösung dafür haben wir leider auch nicht außer dass wir gar nicht mehr über uns persönlich schreiben sollten, aber auch das wird wiederum anderen Menschen nicht gefallen (an diesem Punkt waren wir schon einmal) und deswegen wissen wir nicht, ob das wirklich eine Lösung ist.

Aber ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns weder für etwas besseres halten noch denken, dass wir es „am allerschlimmsten” getroffen hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Was uns selbst betrifft neigen wir zur starker Bagatellisierung, weil alles andere auch nicht auszuhalten wäre. Dann würden wir gar nicht mehr klarkommen. Zudem haben wir auch viele Freunde, die „Unos” oder ein reaktives System sind und bei ihnen würden wir auch niemals denken, dass ihre Erlebnisse nicht „schlimm genug” sind!! So denken wir nicht. Trauma ist immer schlimm und sollte kein Wettbewerb sein. Es ist egal, ob jemand einmal ein Trauma erlebt oder mehrfach. Es ist egal, ob jemand eine DIS entwickelt oder nicht. Es ist egal, ob jemand 20 Innenpersonen hat oder 200. Alle leiden gleichermaßen und das sollte man niemals miteinander vergleichen!! Das würden wir auch nie tun. Trauma ist Trauma und somit immer schlimm. Falls unsere Worte einen anderen Eindruck erweckt haben tut uns das wirklich leid und wir können nur sagen, dass dies nicht so gemeint war, wir aber verstehen, dass dies so angekommen ist.)

Zwangsverheiratung

In den Köpfen vieler Menschen ist immer noch das Vorurteil fest verankert, dass es Zwangsverheiratung nicht in Deutschland gäbe, sondern nur in anderen Ländern. Viele verbinden damit Länder, die nicht zu Europa gehören und in denen es andere kulturelle Sitten gibt, weil es dort als „normal“ gewertet wird. Aber ganz stimmt das nicht. Auch in Deutschland gibt es Zwangsverheiratung und es betrifft auch nicht-migrantische Frauen! Wir sind weiß, haben keinen Migrationshintergrund und trotzdem sind wir davon betroffen. Auch wir wurden einem Mann versprochen. Und mussten vor ihm fliehen. Weil das ein Thema ist, worüber nur selten gesprochen wird, möchten wir ein wenig von unseren Erfahrungen berichten. Wir tun dies, um darüber aufzuklären und um anderen Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht alleine damit sind. Dieses Thema ist generell sehr belastend für uns, weshalb wir es nur selten ansprechen, aber heute möchten wir einmal versuchen, von uns zu berichten.

Bei uns in der Tätergruppierung ist es so, dass die wenigsten Frauen sich ihre zukünftigen Männer selbst aussuchen dürfen. In den meisten Fällen ist es so, dass der Kult entscheidet, welchen Mann eine Frau heiraten muss. Bei den meisten unserer weiblichen Verwandten war dies so; als unsere Mutter aus Rebellion einen Mann geheiratet hat, der zwar ebenfalls im Kult war, jedoch einen „niederen Rang“ hatte, kam dies gar nicht gut an. (Das war allerdings bereits nach unserer Geburt, deswegen wurde sie zum Beispiel auch nicht mit dem Tode bestraft o.ä.) Unsere Großmutter mütterlicherseits war sehr, sehr wütend darüber, dass sie einen „Mann unter ihrer Würde“ geheiratet hat und dass sie mit diesem Mann auch noch ein Kind gezeugt hat (unsere kleine Halbschwester). Deswegen und aus anderen Gründen war unsere Schwester nicht im Kult eingebunden, vermutlich auch um dem Stiefvater zu zeigen, dass sein Kind „zu schlecht und wertlos“ für den Kult ist. (Was für sie natürlich ein Segen, kein Fluch war.)

Das hat bei unserem Stiefvater nur noch mehr Wut auf uns geschürt und er hat uns noch mehr gehasst als sowieso schon. (Er ist leider über alle Maßen psychopathisch, narzisstisch und ausgesprochen sadistisch.) Für den Kult war es von Vorteil, dass der Stiefvater uns gehasst und schlecht behandelt hat, weil sie davon auch profitieren, denn es verstärkte unser eigenes schlechtes Selbstbild umso mehr und verfestigte bestimmte innere Überzeugungen. Unser leiblicher Vater war im Kult jedoch sehr angesehen und da wir sein Blut in uns trugen, waren wir für den Kult viel wert. Deshalb wurde unser Leben auch schon geplant ehe wir auf der Welt waren. Es stand von Anfang an fest, was mit uns geschehen sollte und es folgte alles genauso, wie es vorgesehen war.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Plans war auch, dass wir irgendwann einmal einen Mann aus dem Kult heiraten würden, mit dem wir diese Blutlinie fortführen sollten. Als der Körper 25 Jahre alt war, lernten wir diesen Mann kennen. Er war bereits einige Jahre älter und ein sehr angesehener Mann im Kult. In der „hellen“ Welt ist er sehr reich und beruflich erfolgreich. Natürlich war er sehr kultloyal und behandelte uns alles andere als gut. Wir wurden diesem Mann offiziell „übergeben“ und gingen somit in sein „Eigentum“ über, d.h. er durfte von fortan über uns entscheiden und erhielt all unsere „Zugangsdaten“. Zuvor haben wir natürlich einer anderen Person gehört. Durch entsprechende Rituale wurde die Übergabe vollzogen. Wir wurden in einer „Kult-Hochzeit“ mit ihm verheiratet und es war geplant, dass eine offizielle standesamtliche Hochzeit ebenfalls noch stattfinden soll.

Anschließend hätte es keine Alltagssysteme mehr gegeben. Wir wären „ausgelöscht“ worden. Es wären nur noch bestimmte Systeme im Außen präsent gewesen, die dann die „ehelichen Pflichten“ und die „Kindererziehung“ übernehmen würden. Diese Systeme sind äußerst kultloyal und agieren ganz im Sinne des Kultes. Das hätte bedeutet, dass unser eigenes Kind, was dasselbe hätte erleben sollen wie wir, keine liebevollen und freundlichen Innenpersonen kennengelernt hätte.

Es hätte nur Innenpersonen von uns kennengelernt, die das Kind schlecht behandelt hätten, denn diese Personen wurden genau darauf vorbereitet irgendwann einmal das eigene Kind zu quälen und zu trainieren, damit unser Kind genauso aufwächst wie wir aufgewachsen sind. Diese Innenpersonen sind nicht böse. Sie haben bloß niemals etwas anderes kennengelernt. Niemand von uns hat sich seine Rolle im System ausgesucht.

Wäre dieser Plan wirklich vollendet worden, hätte es auch bedeutet, dass niemand von uns mehr für den Ausstieg hätten kämpfen können, weil die Personen, die dies getan haben, nicht mehr im Außen gewesen wären. Da wir (aus den Alltagssystemen) diesen Plan verhindern wollten, haben wir die Flucht gewagt. Wir wären lieber gestorben als das zu tun, was der Kult von uns verlangt hat. Wir wollten kein Leben mit einem Mann führen, der grausam und psychopathisch ist und am wenigstens wollten wir unser eigenes Kind so quälen müssen. Deshalb sind wir vor etwa einem Jahr überstürzt geflohen, weil wir dieses Leben nicht führen wollten. Ohne unsere Herzensmenschen wäre es niemals gelungen. Es war so knapp und hätten die Täter im Vorfeld gewusst, dass wir an jenem Tag im September abgehauen wollten, hätten auch sie ihre Pläne vorgezogen und sämtliche Alltagspersonen „deaktiviert“. So steckten sie noch mitten in ihren Vorbereitungen. Unsere Täter wollten selbstverständlich nicht riskieren, dass wir Alltagssysteme in aller Seelenruhe den äußeren Ausstieg vorbereiten und uns hierfür einen fairen Vorsprung lassen. Sie haben sich in Sicherheit geglaubt, in ihrer absoluten Übermacht. Und das war ihr einziger Fehler und unsere einzige Chance.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass wir zwar zwangsverheiratet worden wären, es aber nach außen hin nicht natürlich so ausgesehen hätte! Wenn wir mit diesem Mann vor dem Standesamt gestanden hätten, wäre eine bestimmte Innenpersonen vorne gewesen, die seit unserer Geburt darauf vorbereitet wurde und die glaubt, es sei ihr Schicksal und ihre Bestimmung diesen Mann zu heiraten.

Für sie ist es eine große Ehre. Ohne zu Zögern hätte sie „Ja, ich will“ gesagt. (Zumal auch die kompletten Familien mütterlicher- und väterlicherseits involviert sind und absolut niemand unbequeme Fragen gestellt hätte!) Im Detail möchten wir über diese Person nun nicht schreiben, außer, dass sie nun sehr, sehr sauer auf uns ist. Sie würde alles tun, um wieder bei ihrem Ehemann zu sein. Nicht, weil sie ihn liebt, sondern, weil sie dafür auserwählt wurde und es ihr als große Ehre angepriesen wurde. Wir haben uns in ihren Augen versündigt. Auch deshalb, weil wir inzwischen mit einer Frau verheiratet sind und Homosexualität dort als Todsünde gilt. Viele von diesen kultloyalen Personen schämen sich dafür, dass wir in den Augen des Kultes „versagt“ und unsere „heilige Pflicht“ nicht erfüllt haben. Sie glauben, dass es besser wäre, wenn wir tot wären als so weiterzuleben. Bislang ist es schwierig bis unmöglich an das System heranzukommen, das die Ehefrau- und Mutterrolle hätte übernehmen müssen. Das ist uns in dem einem Jahr, das wir nun weg sind, noch nicht gelungen.

Mittlerweile haben wir zwar nicht mehr so viel Angst, dass die Zwangsverheiratung doch noch stattfinden wird, aber vor noch einem Jahr waren diese Ängste sehr real und bedrohlich. Auch wir vom Alltag haben das alles mitbekommen und dieses Thema belastet uns immer noch sehr. Wir sind jedoch froh, dass uns rechtzeitig die Flucht gelungen ist, wissen aber auch, dass nicht alle Betroffenen dieses Glück haben. Ganz im Gegenteil. Um ein anderes betroffenes System aus gleicher Tätergruppierung bangen wir im Moment sehr.

Zwangsverheiratung ist etwas, was auch in unserer Gesellschaft stattfindet und sie ist nicht immer von außen klar erkennbar. Die überwiegende Mehrheit von uns wollte diese Heirat nicht und doch hätte es von außen so ausgesehen als wäre es unser freier Wille, diesen viel älteren Mann zu ehelichen. Unser Kult-Ehemann war sehr reich und angesehen in unserer Gesellschaft und wir wissen, dass er beruflich sehr erfolgreich war.

Menschen, die die Wahrheit nicht kennen, würden ihn für einen netten Kerl halten, obwohl er sehr sadistisch und psychopathisch war und uns wirklich sehr schlimme Gewalt angetan hat. Vor allem auch uns Alltagspersonen. Wir wären ohnehin bald „weg“ gewesen. Noch heute haben wir oft Flashbacks von Situationen mit ihm und sein Gesicht werden wir wohl nie vergessen können. Wir können nur ahnen, dass er sehr wütend und sauer ist, weil wir jetzt offiziell mit jemand anderem verheiratet sind und die Pläne nun so nicht mehr stattfinden können. Ein Alltagskind hat große Angst ihm jemals wieder zu begegnen, weil sie Angst hat, dass er sich dann rächen könnte.

Diese Angst ist nicht unbegründet, weil er sein „Eigentum“ verloren hat und nun eine neue Frau für ihn gesucht werden muss. Wir haben deswegen auch starke Schuldgefühle, weil wir wissen, dass jetzt eine andere Frau ihn heiraten und das Leben mit ihm teilen muss. Deshalb fühlen wir uns sehr schlecht, weil wir denken, dass es unsere Schuld ist, denn schließlich sind wir abgehauen. Letztendlich wissen wir aber auch, dass der Kult diese Frau so oder so verheiratet hätte, wenn nicht mit ihm, dann mit einem anderen Mann aus dem Kult. Und trotzdem lassen uns die Schuldgefühle nicht los.

Was wir mit unseren Worten sagen wollen ist, dass Zwangsverheiratung gar nicht so selten ist, wie die meisten Menschen glauben. Wir kennen viele Betroffene (auch aus anderen Tätergruppierungen), denen ein ähnliches Schicksal blüht(e). Manche konnten diesem Schicksal entkommen, manche leider nicht. Leider ist es Gang und Gäbe in Kulten, dass Frauen kein Mitspracherecht haben, wen sie einmal heiraten. Meistens ist das vorbestimmt, damit die nächste Generation an Opfern gesichert wird. Denn rituelle Gewalt ist so gut wie immer generationsübergreifend und wie sichert man sich am Besten eine Generation an neuen Opfern? Indem man dafür sorgt, dass beide Eltern aus der gleichen Gruppierung kommen und somit im Interesse des Kultes agieren.

Themenwunsch: Alltag in einer Kult-Familie

Wir wurden gefragt, wie man sich den Alltag in einer Kult-Familie vorstellen können: „Wer bereitet das Essen zu? Wer pflegt das Baby? Finden auch schöne Sachen statt, wie Ausflüge oder Eis essen gehen? Worüber unterhält man sich, falls überhaupt gesprochen wird?“

Wie es sich anfühlt, in einen Kult hineingeboren zu werden und was solche Kinder erleben, dazu haben wir bereits den Beitrag „Aufwachsen im Kult“ (20.05.21) geteilt. Nun möchten wir versuchen, einmal über unseren Alltag zu schreiben. Allerdings ist es so, dass wir aufgrund der DIS natürlich nur fragmentarische Erinnerungen haben. Erinnerungen an die ersten Lebensjahren bestehen naturgemäß kaum; viele Alltagspersonen sind auch erst später entstanden.

Wir vermuten, dass wir als Neugeborenes nicht im Elternhaus gelebt haben. Wir sind uns nicht einmal sicher, ob wir überhaupt in einem Krankenhaus zur Welt kamen, obwohl das natürlich in unserer Geburtsurkunde steht. Vermutlich nicht. Wir wissen nur, dass die Geburt sehr „dramatisch“ war; wir wurden auch dabei verletzt. (Die Mutter hat uns unser Leben lang vorgeworfen, sie hätte uns unter den schlimmsten Schmerzen geboren. Wir seien Schuld daran, dass sie so sehr gelitten habe dabei und wir müssen ihr nun jeden Tag unseres Lebens dankbar erweisen dafür, dass sie uns geboren hat. Das war im Elternhaus ständig Thema.) Theoretisch könnte sogar unser Geburtsdatum gefälscht sein. Vielleicht sind wir älter oder jünger als wir glauben. Als Kleinkind waren wir sehr viel im Ausland, wo wir programmiert wurden. Irgendwann kamen wir in einen Kult-Kindergarten, allerdings wissen wir auch hier nicht, in welchem Land und zu welcher Zeit dies gewesen ist. Wir waren in diversen „Trainings Camps“, die uns eine andere Lebensrealität vorgegaukelt haben und wir können absolut nicht rekonstruieren, was wahr ist und was bloßer Schein.

Als der Körper 3 Jahre alt war, lernten wir den Stiefvater kennen. Allmählich werden die Erinnerungen klarer, auch wenn sie noch immer sehr bruchstückhaft sind.  

Gebadet wurden wir als Kleinkind von der Mutter, allerdings immer in sehr heißem Wasser, an dem wir uns meist verbrannt haben. „Das ist gut für dich. Das ist gar nicht heiß. Genau so muss das sein. Ich weiß doch, was das Beste für dich ist.“ Standardsätze. Später hat der Stiefvater immer mit uns „gebadet“.

Die Eltern haben natürlich immer Frisur und Kleidung vorgegeben. Die Mutter hat meistens Kleidungsstücke gekauft, die wir absolut grässlich fanden. Als wir älter wurden und selber einkaufen gehen konnten, haben wir zwar Anziehsachen gewählt, die uns gefallen und die wir sehr gerne mochten. Von unseren eigenen Taschengeld. Aber diese Kleidung hat zu Hause nie lange überlebt und wurde ständig entsorgt mit der Begründung, das sei zu hässlich gewesen.

Wir erinnern uns daran, dass wir tagsüber die meiste Zeit im Kinderzimmer eingesperrt waren. Manchmal hatten wir ein Spielzeug oder ein Kuscheltier bei uns, meistens wurde es uns aber weggenommen, weil wir „böse“ waren. Oft wurden aber auch wir als Strafe stunden- oder tagelang in den immer dunklen und kalten Keller eingesperrt. Mit viel Glück erhielt man zwischendurch ein Glas Wasser. Das ließ erst langsam nach, als mit 6-8 Jahren mehr Alltagspersonen erschaffen wurden. Durch den Stiefvater waren wir täglich psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Was die Verpflegung betrifft, so hat meistens die Mutter gekocht. Es wurden jedoch häufig Dinge gekocht, die wir nicht mochten, aber natürlich trotzdem essen mussten. (Als wir vier Jahre alt waren, gab es zum Beispiel Rosenkohl. Ein Innenkind mochte das nicht und als die Eltern kurz den Raum verließen, hat sie das Gemüse ganz unten im Mülleimer versteckt. Als der Stiefvater wieder kam, hat er den Restmüll aber sofort durchsucht. Als er den Rosenkohl fand, wurde er körperlich sehr gewalttätig. Er band das Mädchen irgendwann an einen Stuhl fest und warf es mit Küchenmessern ab. Lebensgefährlich verletzt wurden wir dabei aber nicht. Das war seitens des Kultes natürlich verboten.) Oft mussten wir auch vom Boden essen. Oder wir bekamen gar nichts. Das hatten wir nicht zu entscheiden. 

Trotzdem wurde immer sehr, sehr viel Wert auf tadellose Tischmanieren gelegt. Wir hatten sehr vornehm zu essen und jegliches Kleckern etc. wurde umgehend bestraft.

Am Esstisch durfte nicht gesprochen werden. Dieses Recht stand einzig und allein dem Stiefvater zu. Er liebte seine Reden. Worüber er immer sprach – meistens waren es wilde Verschwörungstheorien über Echsenmenschen oder verstrahlte Barcodes. Liebend gerne lästerte er aber auch über Nachbarn und Freunde. Er ist hochgradig narzisstisch und psychopathisch und liebte es, andere Menschen zu beleidigen. Auch zählte er von Herzen gerne dutzende Gründe auf, weshalb wir dumm, fett, undankbar, wertlos etc. wären. Dieses gemeinsame Essen war uns immer absolut verhasst, aber es führte kein Weg daran vorbei.

Einige Innenpersonen wurden von den Eltern auch als „Dienstmädchen“ ausgebildet. Das fing mit ca. 4-5 Jahren an. Wir mussten dann die Küche und das ganze Haus putzen, Wäsche machen, Essen zubereiten und ganz allgemein die Eltern bedienen. (Davon haben wir Alltagssysteme allerdings nichts mitbekommen.) Wobei auch Alltagskinder immer damit beauftragt wurden, die Wohnung zu putzen. Anschließend wurde alles genauestens überprüft und war nur ein Staubkörnchen übersehen worden, hagelte es schwere Bestrafungen. Es gibt aber auch Dienstmädchen, die für andere Kult-Familien arbeiten mussten. Das war immer während der Schulferien, die wir Alltagspersonen so nie miterlebt haben.

Oft hat der Stiefvater uns auch mit zu seiner Arbeit genommen, wo er uns an seine Kollegen verkauft hat. Da wir erst mit sieben Jahren eingeschult wurden, war hierfür Zeit genug. Natürlich waren wir aber auch oft im Kult-Kontext mit ihm unterwegs und mussten bei diversen kriminellen Aktivitäten behilflich sein, bei denen Kinder einfach unauffälliger und weniger verdächtig wirken.

Als wir sechs Jahre alt waren, wurde unsere Halbschwester geboren. Danach änderte sich unser Alltag ein wenig. Wir mussten uns um sie kümmern, sie versorgen, auf sie aufpassen und großziehen. 

Sie war zwar nicht im Kult eingebunden und hat anders als wir keine Gewalt erlebt, auch nicht durch ihren Vater, aber die Mutter hatte trotzdem keine Lust darauf, ein Neugeborenes zu versorgen. Wobei sie die Schwester auch manchmal geschlagen und geschüttelt hat, wenn diese einen Schreianfall hatte.

Trotzdem wurde sie in allem immer tausend Mal besser behandelt als wir. Wenn wir zum Beispiel gefragt wurden, was wir uns zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschen würden, haben wir diese Dinge nie erhalten. Sie seien zu teuer und wir das Geld nicht wert. Die Mutter sagte immer: „Wenn du die Augen zumachst, siehst du, was dir gehört: Nichts.“ Als die Schwester dann aber in unserem Alter war, erhielt sie all die Dinge, die wir uns einst sehnlichst gewünscht haben.

Je älter sie wurde, desto mehr achteten die Eltern auch darauf, Ausflüge etc. zu unternehmen, damit sie nach Außen hin eine völlig normale Kindheit und dementsprechend auch Erinnerungen daran hat. Wir sind dann auch mal ins Kino gegangen, waren Essen, sind verreist usw. Unsere Familie hatte damals ein Stammlokal, einen Italiener, bei dem wir oft waren. Allerdings wurden wir auch dort an Männer verkauft, wie wir inzwischen herausgefunden haben. (An das Essen dort kann sich nämlich auch niemand erinnern.) Im Sommer sind wir ab und an zu einer Eisdiele gefahren. Das waren meistens um die 25km mit dem Fahrrad. Aber erst danach hatten wir es uns verdient, eine Kugel Eis zu bekommen.

Andere Ausflüge dienten oft dem Training. Vor einigen Monaten war zufällig ein kleines Mädchen im Außen, die meiner Frau erzählte, dass sie mit den Eltern im Tierpark war. „Mama hat da immer richtig gut auf mich aufgepasst“, erzählte sie stolz und glücklich. „Das ist aber schön“, erwiderte meine Frau (skeptisch). Nach und nach kam raus, dass sie dort irgendwo vom Stiefvater dort missbraucht wurde, anschließend geblutet hat und zum „Tierpark Arzt“ geschickt wurde. Der Arzt fragte sie, warum sie bluten würde und das Mädchen antwortete wahrheitsgemäß, dass der Stiefvater sie verletzt hätte. (Wir können ja nicht lügen.)

Daraufhin holte der Arzt die Mutter rein, stellte die Frage erneut und das Mädchen gab die gleiche Antwort. Anschließend wurde sie dafür „bestraft“, dass das die falsche Antwort gewesen sei und dass, sollte sie jemals wieder von einem Arzt nach einer Verletzung gefragt werden, sie antworten müssen, dass sie sich selber verletzt habe. Dieses Szenario war also von Anfang an abgesprochen. Kinder mit exakt dieser Aufgabe gibt es zahlreich bei uns im System. „Und wo hat die Mama nun auf dich aufgepasst?“, wollte mein Frau anschließend noch wissen. Das Mädchen sah verwirrt aus. „Sie hat aufgepasst, dass ich keine Lügen erzähle und nicht böse bin.“

Solche Trainingsszenarien fanden wirklich sehr zahlreich in unseren Alltag statt, um die Programmierung zu festigen bzw. auch noch neue Programmträger zu erschaffen. 

An Kindergeburtstage kann sich keiner von uns erinnern. Das kam uns aber nie merkwürdig vor, weil wir davon ausgingen, irgendjemand anderes von uns hätte diese schon erlebt. Weil wir Alltagspersonen nur begrenzt miteinander kommunizieren können, haben wir lange Zeit nicht erfahren können, dass niemand Erinnerungen daran hat. Ähnlich ist es mit Urlauben: Wir wissen zwar, dass wir regelmäßig im Ausland Urlaub gemacht haben, aber Erinnerungen daran bestehen keine, weil es andere Systeme (z.B. das System der Zwangsprostitution oder Dienstmägde) erlebt haben. Wenn man sowieso daran gewöhnt ist, Amnesien und nur sehr fragmentarische Erinnerungen zu haben, weil es das Leben lang nie anders gewesen ist, hinterfragt man solche Dinge einfach nicht. Wir haben es nie anders kennengelernt. Es ist unsere absolute Normalität. Deswegen kam es uns auch nie komisch vor! 

Manchmal, aber nur sehr selten, durften Freundinnen zu Besuch kommen. Die Mutter kam jedoch alle zehn Minuten ins Zimmer, um zu kontrollieren, worüber wir sprechen. Sie brachte aber auch immer Kekse und so mit, um möglichst perfekt und liebevoll zu wirken. Anschließend, kaum dass die Haustür hinter der Freundin wieder ins Schloss fiel, hielt der Stiefvater eine ausschweifende Rede darüber, wie dumm, einfältig, fett, hässlich, erbärmlich usw. unsere Freundin doch sei. 

Wir hatten eigentlich immer schon starke Schmerzen, die auch wir Alltagspersonen teilweise wahrnehmen konnten (für manche wurde das Schmerzempfinden aber auch blockiert!) Wir kannten es nicht anders, konnten es nur nicht zuordnen. Meistens fielen dann Sätze wie: „Du bist gestern gestolpert oder vom Fahrrad gefallen, erinnerst du dich nicht mehr daran?“ oder „Das sind nur die Knochen, du wächst eben noch!“ Schmerzmittel bekamen wir jedoch niemals. Zu keinem Zeitpunkt. Wir mussten lernen, die Schmerzen irgendwie „wegzudissoziieren“ und trotzdem zu funktionieren. Und wehe, man hat uns in der Schule etwas angemerkt! Dann wurden wir zur Strafe lange unter die eiskalte Dusche gestellt, damit wir endlich abhärten.

Familienfeiern standen bis zuletzt oft an. Immerhin haben wir viele Tanten und Onkel, Cousins und Cousinen, und die Familien ausreichend Geld, um sich das leisten zu können. Und überhaupt: „Die Familie ist doch das Allerwichtigste! Und wir sind doch so eine tolle Familie!!“ (🙄) Niemand durfte dabei fehlen. Niemand. Natürlich wurde dort niemals offen über den Kult gesprochen. Wir wissen nicht, ob alle Kinder unserer Generation Bescheid wissen, unsere Schwester schließlich auch nicht. In den letzten Jahren vor unserer Flucht haben wir ein paar Mal gefehlt. Während einer Festlichkeit ist jedoch unsere Oma verstorben und sowohl Kult als auch Familie haben uns anschließend eingeredet, das wäre einzig und alleine unsere Schuld gewesen und die Strafe für unser Fehlen. Bestraft wurden wir natürlich auch. Die Oma war zwar schon sehr alt, aber trotzdem fühlen sich ziemlich viele Kinder bis heute ziemlich schuldig, dass sie „wegen uns“ sterben musste.

„Schlimme“ Dinge fielen eher in kleinere Rahmen. Wir haben einige Jahre lang zum Beispiel immer einen Onkel besucht, dessen Söhne zu Kult-Tätern ausgebildet wurden. Die beiden Jungen mussten dann immer an uns „üben und trainieren“. Der Jüngere musste dazu gezwungen werden, dem Älteren hat es jedoch auch so Spaß gemacht.

Wir wurden gefragt, ob wir zu Geburtstagen und Weihnachten Geschenke erhalten hätten. Ja, haben wir. Wir durften auch immer einen Wunschzettel schreiben! Allerdings haben wir die Dinge darauf grundsätzlich dann nie erhalten. „Man kann sich alles wünschen, aber nichts davon bekommen“ war ein Lieblingssatz der Eltern. Außerdem war es so, dass wenn wir uns über ein Geschenk nicht ausreichend gefreut haben, es uns sofort weggenommen wurde. Wir würden es ja nicht zu schätzen wissen. Haben wir uns aber zu sehr gefreut, wurde es uns ebenfalls weggenommen, weil wir so viel Freude nicht verdienen würden. Wollten wir ein Geschenk behalten, mussten wir also immer sehr aufpassen, wie viel bzw. wie wenig Freude wir uns anmerken ließen. Das machte das ganze Thema zu einer sehr angespannten Angelegenheit. Am Ende des Tages gingen wir also meistens leer aus.

Als wir älter wurden, haben wir meist nur noch teure Schulbücher „geschenkt bekommen“. Es wurde sich nämlich oft darüber aufgeregt, wenn wir zum Schuljahresbeginn wieder einmal neue Bücher brauchten. Dann wurden Reden darüber gehalten, wie teuer wir doch seien und dass wir doch dankbar sein können, bei all der „Geldausgeberei“ nur für uns noch Essen und ein Dach über den Kopf zu erhalten. (Unsere Familie war natürlich nicht arm. Mit den Einnahmen aus einer einzigen Nacht Kinderprostitution konnten sie sämtliche Bücher von der 1. bis 13. Klasse problemlos finanzieren. Aber das wussten wir damals nicht und empfanden nur eine sehr tiefe Scham darüber, so viel Geld zu kosten und dann auch noch so undankbar zu sein.)

Alles in allem haben aber auf diese Weise hunderte Innenpersonen im Laufe der Jahre verinnerlicht: Wir dürfen uns nichts wünschen. Uns steht nichts zu. Wir verdienen rein gar nichts. Wir müssen dankbar sein für alles, was wir bekommen. Wir dürfen nicht hoffen und müssen aufhören, von einem besseren Leben zu träumen. Natürlich nicht nur im Bezug auf Geschenke, sondern unser gesamtes Dasein. Auch so bringt man ein progr. DIS System dazu, vollends zu resignieren und sich seinem „Schicksal“ zu ergeben. Man verdient einfach nichts besseres.

Mit 13 Jahren haben sich die Eltern getrennt. Der Alltag war anschließend nicht mehr so sehr von tagtäglicher Gewalt geprägt wie die vorherigen zehn Jahre. Beziehungsweise wurde sie nun subtiler und bestand überwiegend aus psychischer Gewalt, die wir als solche aber nicht wahrnahmen.

Die Mutter fing irgendwann eine neue Partnerschaft an und verbrachte zusammen mit unserer jüngeren Schwester viel Zeit bei ihm; sie fuhren auch gerne gemeinsam in den Urlaub. Für diese Zeiten blieben wir immer allein zu Hause. Warum wir nicht mitkommen durften, wurde uns nicht erklärt; manchmal hieß es nur, wir würden keinen Urlaub verdienen. Aber inzwischen wissen wir natürlich, dass wir dem Kult und der Zwangsprostitution natürlich weiterhin zur Verfügung stehen mussten. 

Wir gingen inzwischen auf die weiterführende Schule, bauten Freundschaften auf, verbrachten mal einen Nachmittag bei einer Klassenkameradin. Jetzt begann die „Hochphase“ unserer Alltagssysteme und vor allem der vollkommen ahnungslosen Alltagspersonen, die nicht von der DIS wussten und den Stiefvater auch gar nicht mehr kennenlernten.

📌 Anmerkung: Dieser Beitrag wurde vollständig von meiner Frau verfasst. Er setzt sich zusammen aus zahlreichen Erzählungen verschiedenster Innenpersonen, die sie im Laufe der Jahre kennengelernt hat. Der einfachheitshalber hat sie trotzdem aus unserer Perspektive geschrieben. Wir selber könnten das niemals aufschreiben. Es ist nur ein grober Überblick; die sehr schlimmen Details haben wir natürlich ausgelassen, weil diese erstens zu intim wären und zweitens Flashbacks und Programme bei uns auslösen könnten. Außerdem haben wir Angst davor, zu „jammerig“ und „mitleiderheischend“ zu wirken.

📌 Übrigens: Natürlich hat die Generation der Eltern auch Gewalt im Elternhaus erlebt! Die Mutter und Tanten haben ebenfalls eine DIS. Auch sie wurden regelmäßig „bestraft“, was aber nicht offen kommuniziert wurde. Gebrochene Rippen und Finger, eine ausgeschlagene Kniescheibe etc. waren vor allem bei den älteren weiblichen Familienmitgliedern Standard.

📌 Bitte keine Nachfragen zur Schwester!

Trauma Bonding & Komplexität der Mind-Control

An dieser Stelle möchten wir noch einmal kurz etwas zu dem Thema Mutter-Kind-Bindung schreiben. In unseren Beiträgen „Rituelle Gewalt und die Rolle der Eltern“ sowie „Urvertrauen“ schrieben wir, dass das Kind möglichst ungebunden zur Welt kommen sollte. Kinder, die noch während der Schwangerschaft eine Bindung zur Mutter aufgebaut haben, gelten in unserer Tätergruppierung als unbrauchbar für die Programmierung. Programmierer können dennoch versuchen, das Kind von Grund auf zu brechen, stoßen hierbei jedoch auf wiederholte Schwierigkeiten, sodass diese Kinder letztendlich größtenteils „entsorgt“ werden. Allerdings bedeutet dies nicht, das Kind bliebe sein Leben lang ungebunden! Im Gegenteil: Für die Mind-Control ist eine Bindung unerlässlich. Jedoch wird die natürliche Bindung des Kindes z.B. zur Mutter durch eine Trauma-Bindung ersetzt. Außerdem erfolgt eine notwendige Bindung an den Programmierer sowie weitere Täter.

Woher nehmen wir diese Informationen? Wir können nur zu kleinen Teilen aus eigener Erfahrung berichten, da wir naturgemäß an unsere ersten Lebensjahre nur wenige Erinnerungen haben und gar keine Erinnerungen an die Umstände unserer Geburt. Was eigene Schwangerschaften betrifft, sind diese Erfahrungen jedoch gegeben. Wir haben sie allerdings nicht mit in diese drei Texte einfließen lassen, weil es unser absolut intimstes, privatestes und größtes Tabuthema berührt. Allerdings haben wir sehr umfangreiche Werke von (ehemaligen) Kult-Programmierern studiert und außerdem persönlichen Kontakt zu einer solchen Person aufbauen können. Zudem haben wir Erfahrungsberichte von Überlebenden rit. Gewalt gelesen, die dieses Thema ebenfalls ausführlich beleuchten. Wenn es nun explizit um die „Insider Informationen“ aus Händen der Programmierer geht, so möchten wir diese nicht öffentlich teilen. Erstens glauben wir nicht, dass dieses Wissen in die breite Öffentlichkeit gehört und zweitens denken wir, dass unser Kult alles andere als erfreut wäre, wenn wir diesbezüglich aus dem Nähkästchen plaudern würden.

Da unsere Täter hier natürlich mitlesen, sind sie immer Bestens über alles informiert, was wir hier teilen. Deswegen halten wir uns in vielen Punkten auch unverändert sehr bedeckt und nennen beispielsweise nicht den Namen unserer Tätergruppierung.

🔸 Dennoch möchten wir an dieser Stelle ein Zitat teilen, das von einer Überlebenden stammt. Sie wurde Anfang der 1940er Jahre geboren und anschließend an eine Organisation verkauft, die damals im sehr großen Stil illegale Menschenexperimente durchgeführt hat. Auf diesen Forschungsergebnissen sowie auf jenen, die zwischen 1950-1970 gesammelt wurden, basieren die modernen Programmierungen, so unterschiedlich sie auch ausfallen mögen! (In all dem involviert waren maßgeblich die Nazis sowie das CIA.) 🔸

Einen erneuten Wandel im Bereich TBMC und Programmierung gab es um 1990; hiervon berichten größtenteils auch die Programmierer, die ihr Wissen inzwischen der guten Wissenschaft zur Verfügung stellen. Allerdings wurden nicht die Grundbausteine der TBMC neu erfunden, wie sie zwischen 1940-1970 gelegt wurden, der Vorgang der Programmierung wurde lediglich durch immer komplexer werdenden Technologie ergänzt. Wie es mit den aktuellen Systemen ab 2010/20 aussieht, wissen wir persönlich nicht. Hierzu wird es vermutlich bislang auch keine Fachinformationen geben, da die betroffenen Systeme noch viel zu jung sind, um jetzt bereits in guter Therapie zu sein. Allerdings hat sich in diesen Jahren im Bereich Computertechnologie wahnsinnig viel getan und weiterentwickelt, was sich Kulte natürlich bereits zu eigen gemacht haben.

Nun aber das Zitat:

🔸 „Diese Kulte wollten das zerstören, was normal und ganz ist. Sie wollen Kinder, deren Seele sie zersplittern können. Um eine Seele zu zersplittern, ist es eine notwendige Bedingung, ein Kind ohne Bindungs- und Fürsorgeerfahrung zu schaffen. Sie wollten ein ungebundenes Neugeborenes von mir, aber nicht abhängig von Drogen oder einem Gehirnschaden. Ihr Plan war, den Fötus durch meine Haut mit Elektroschocks zu traktieren und mich gleichzeitig zu foltern, um sicher zu gehen, dass ich emotional und spirituell nicht mit dem Fötus verbunden blieb.“

„Wenn die Mutter bei pränatalen Stromfolter mit dem Fötus in Verbindung bleibt, ist die Mutter-Kind-Bindung trotz der Folter noch intakt. Sie konnten nicht sagen, ob ich mein Baby verlassen hatte oder ob ich verbunden blieb. Dies waren die Momente, in denen ich sie mit allem, was in mir war, bekämpfte. «Wenn diese Babys falsch geboren werden, werden wir sie vor deinen Augen töten.» Ich wurde in einem Stuhl herumgeschleudert, und ein Schraubstock quetschte meinen Kopf. Wollte ich ein Baby, das dasselbe Leben wie ich haben würde oder schlimmer, oder wollte ich ein Baby, das nicht zum Kult gehörte? Sie erhöhten den Strom. Wenn meine Kinder mit Bindung geboren wurden und damit als unprogrammierbar gelten würden, könnten sie von außen adoptiert oder getötet werden. (…) Als mein Baby zur Welt kam, konnten die Programmierer noch nicht einschätzen, ob euch es in der pränatalen Phase, während der Stromfolter, emotional verlassen hatte. Etwa eine Woche nach der Geburt testeten sie das Kind. Sie stachen in den linken Fuß des Babys, um Schmerz zu erzeugen, und versuchten dann, das Baby zu trösten. Wenn das Baby den Trost akzeptierte, war es in Bindung. Wenn sich sein Körper versteifte und es sich wütend anwandte, war es ungebunden.“

(Die Betroffene war übrigens sehr lange Zeit bei Alison Miller in Therapie, deren Name sicherlich vielen Menschen inzwischen bekannt ist.)

📌 Abschließend möchten wir noch einmal daran erinnern, dass es unterschiedliche Stufen der Mind-Control ist. DR. ELLEN LECTER zum Beispiel unterscheidet insgesamt 12 Stufen, von einfach bis hin zu sehr komplex. Auch GABY BREITENBACH schlägt aktuell eine weitere Differenzierung zwischen „progr. DIS“ und „komplexer progr. DIS“ vor. Ein wenig haben wir dieses Thema schon in dem Beitrag „Aufbau von progr. Systemen“ angerissen. Falls gewünscht, können wir einmal versuchen, ausführlicher über dieses Thema zu schreiben.

🔸 Auf unserem Account schreiben wir über die jeweils HÖCHSTE bzw. KOMPLEXESTE STUFE, weil diese Art der Programmierung nun einmal bei uns angewandt wurde. Darin liegt in keinster Weise ein Wettbewerbsgedanke!! Wir können nicht ändern, wer wir sind. 🔸

In dem Beitrag „Stolz, Arroganz und Täterloyalität“ haben wir uns hierzu schon einmal geäußert. Wir finden es extrem schade also auch besorgniserregend, dass uns wiederholt vorgeworfen wird, wir würden uns als etwas Besseres darstellen wollen.

🔸Weltweit gibt es mehrere tausend Systeme, die sehr ähnlich komplex aufgebaut sind. Unsere Programmierungen stehen allerdings NICHT in den gängigen Fachbüchern. 🔸

Deswegen ist es uns ein so wichtiges Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, wie es eben auch sein kann. Vieles, was bei der „normalen progr. DIS“ hilft, hilft Betroffenen wie uns nicht. Hierfür muss in der Fachwelt zwingend ein Bewusstsein geschaffen werden. Es stehen Menschenleben auf dem Spiel. Man kann nicht alle progr. DIS Systeme in einen Topf werfen. Das wäre absolut fatal. Deswegen betonen wir unsere Komplexität, was auf manche Menschen wie „Angeberei“ wirken könnte. Dass wir differenzieren zwischen der „normalen“ und „komplexen“ Form soll selbstverständlich keinen Wettbewerbsgedanken fördern. Diese Annahme ist über die Maßen absurd.

Es gibt so, so, so viele Betroffene, die so sind wie wir. Die größtenteils ebenfalls von der Fachwelt übersehen werden. Die auch von gängigen Beratungsstellen als „zu komplex“ abgewiesen und wieder zurück zu den Tätern geschickt werden. Die vielleicht auch Sätze hören müssen wie: „Na ja, bei manchen Opfern soll es vielleicht nicht anders sein. Vielleicht sind sie wirklich für dieses Leben im Kult bestimmt. Die Programmierung ist zu stark, da kann man nicht mehr helfen.“

Es geht in unseren Kopf nicht rein, wieso andere Menschen es lieber hätten, dass wir (wieder) schweigen, nur weil sie sich mit dem, was wir hier teilen, unwohl und in ihrem eigenen Leid invalidiert fühlen. Der Wettbewerbsgedanke existiert in ihrem Kopf, nicht in unserem.

Themenwunsch: „Wie kann es sein, dass Eltern nicht mitbekommen, wenn ihr Kind org. rit. Gewalt erlebt?“, 02. Teil

Anmerkung:

Als wir kürzlich nach Themenwünschen gefragt haben, wurden wir gebeten, einmal darüber zu schreiben, wie es sein können, dass Eltern nicht mitbekommen, wenn ihr Kind rituelle Gewalt erlebt.

Weil das Thema der Eltern immer wieder vor allem auch in unseren Q&As auftaucht, haben wir uns nun einmalig für eine sehr ausführliche Antwort entschieden, um künftig darauf verweisen zu können.

Vorab aber einige wichtige Anmerkungen: Ein Kind kann rituell missbraucht werden ohne gleichzeitig programmiert zu werden! Nicht alle Betroffene ritueller Gewalt entwickeln auch eine progr. DIS. Dies hängt auch immer davon ab, wie weit man die Definition rit. Gewalt stecken möchte. Auch kirchliche Institutionen o.ä. können Kinder rituell missbrauchen; es muss nicht zwangsläufig eine enorme, national wie international agierenden Tätergruppierung dahinterstecken. In diesem Fall müssen die Eltern nicht zwangsläufig involviert sein. Hier greift dann eine ganz andere Frage: Wie kann es sein, dass Eltern nicht mitbekommen, dass ihr Kind sexuell missbraucht wird? Anzeichen für (früh-)kindlichen Missbrauch gibt es viele, aber nicht immer hat ein Kind aufmerksame, liebevolle Eltern, diese auch zu bemerken. Möglich ist zum Beispiel, dass die Eltern psychisch oder körperlich krank sind und sich sehr mit ihren eigenen Befinden beschäftigen, das Kind evtl. emotional vernachlässigen. Vielleicht haben die Eltern starke Probleme mit sich selbst, ihrer Ehe, ihrem Job usw. Auch hier kann das Kind vernachlässigt werden, alle Anzeichen übersehen werden.

In der Beantwortung der Anfangs gestellten Fragen beziehen wir uns nicht explizit und ausschließlich auf das Erleben ritueller Gewalt, sondern schließen den Fall mit ein, dass das Kind zusätzlich programmiert wird und TBMC erlebt.

Dazu einige Sätze vorab:

🔸 In unserem Kult ist es Pflicht, dass die Eltern aktiv beteiligt sind. Es reicht nicht aus, dass z.B. die Mutter von einem gewalttätigen Ehemann und Kindsvater ebenfalls unterdrückt und brutalisiert wird, sodass sie den Missbrauch ihres Kindes passiv zulässt. Die Mutter muss aktiv daran mitwirken. Fortlaufend. Im Elternhaus die gesamte Kindheit und Jugend über. Dies wird auch sehr streng und regelmäßig überprüft und sollte die Mutter nicht in der Lage sein, die Anweisungen des Kultes umzusetzen, wird ihr das Kind weggenommen.

🔸Wie in den Beiträgen „Urvertrauen“ und „Mind-Control“ bereits ausführlich geschrieben, muss die Mutter-Kind-Bindung zerstört werden. Kinder, die dennoch eine Bindung zu ihrer Mutter aufbauen, gelten als für die Programmierung untauglich und werden getötet.

🔸Wie handhaben andere Kulte dies? In den Fachbüchern von Alison Miller wird ebenfalls immer wieder dieser Aspekt hervorgehoben. Auch Stella Katz, eine ehemalige Trainerin in einem satanischen Kult schreibt ausführlich über die Beteiligung der Mutter. Allerdings kommen wir persönlich weder aus einem rein satanischen, noch christlichen, noch nationalsozialistischen Kult o.ä. An dieser Stelle können wir daher lediglich auf die Einschätzungen oben genannter Experten verweisen und es nicht mit eigenen Erfahrungen belegen!

🔸 Quellen, die wir für diesen Beitrag genutzt haben, sind sowohl bekannte Fachbücher insbesondere von Alison Miller, aber auch viele weiterführende und vertiefende englischsprachige Fachartikel zu diesem Thema. Zudem haben wir die sehr ausführlichen Werke von (ehemaligen) Programmierern gelesen und stehen mit einem weiteren ehemaligen Programmierer im persönlichen Austausch. (Falls die Frage aufkommt: Nein, diese Kontakte helfen nicht, unsere eigene TBMC/Programmierung aufzulösen. Sie helfen lediglich, ein ganz klein wenig mehr zu verstehen.) Diese Informationen möchten wir an dieser Stelle aber nicht öffentlich stellen.

🔸 Und zu guter Letzt: Die Beiträge zu diesem Thema wurden vollständig von unserer Frau (@wortvertrauen) verfasst, weil wir gar nicht in der Lage sind, über dieses Themen zu schreiben geschweige denn diesbezüglich Literatur zu lesen.

Nachdem wir im vorherigen Beitrag Risikofaktoren aufgezählt haben, die Tätergruppierungen beachten müssen, wenn sie planen, ein Kind von außerhalb (bzw. bei dem nur ein Elternteil involviert ist) in den Kult zu holen und zu programmieren, möchten wir abschließend zu diesem Thema neun Gründe teilen, weshalb es für die Täter nur von Vorteil ist, wenn die Eltern ebenfalls im Kult involviert sind und das Kind auch im Elternhaus alltäglich Gewalt erlebt und seine Mind-Control und Programmierung fortgeführt wird.

1️⃣ Das Kind steht von Geburt an unter Hochstress. Früher hat man noch versucht, die Kinder im Mutterleib zu spalten. Der Säugling kam dann bereits multipel zur Welt. Allerdings können Täter dieses Vorgehen nicht gut kontrollieren. Sie erschaffen zwar so bereits Persönlichkeitsfragmente, haben aber kein Wissen darum, wie viele es sind, wo sie sich befinden, wie sie sie später hervorrufen können. Deswegen sind die meisten Gruppierungen dazu übergegangen, das Kind nicht mehr zu spalten, aber trotzdem massiven Stress zu erzeugen, indem sie den Fötus zum Beispiel mit spitzen Nadeln pieksen oder sehr lauter Musik beschallen. Bei der Geburt selbst wird ebenfalls möglichst viel Stress erzeugt, damit der Säugling umgehend dissoziiert und Todesangst verspürt. Das Kind kann zum Beispiel bei der Geburt verletzt werden, es kann leicht geschüttelt und angebrüllt werden. Das alles ist selbstverständlich nur möglich, wenn die Mutter involviert ist. Außerdem benötigt man entsprechende Kult-Ärzte ggf. im Krankenhaus (sofern das Kind dort überhaupt zur Welt kommt), die die Geburt zwar einerseits sehr traumatisch gestalten, gleichzeitig natürlich darauf achten, dass das Kind nicht dabei stirbt oder irreparabel (Hirn-)Schäden nimmt.

Dieses Vorgehen ist zwar nicht zwingend notwendig, erleichtert den Programmierern jedoch das absichtliche Spalten. Das Kind wird vor allem in den ersten Lebensmonaten und -jahren hochdissoziativ sein. Es lebt in kontinuierlicher Angst und in einem Zustand von andauerndem Hochstress mit nur sehr seltenen Möglichkeit, Beruhigung zu erfahren. Aus diesem Grund verbieten viele Kulte auch, dass Säuglinge und Kleinkinder Schnuller benutzen dürfen. Das Saugen daran hat eine beruhigende Wirkung auf das Kind, die nicht erwünscht ist. (Teilweise werden die Kinder, wenn sie alleine gelassen werden und irgendwo liegen, sei es in ihrem Bett oder auf dem Kellerboden, so gefesselt, dass sie nicht am Daumen lutschen können, was ebenfalls beruhigend wirkt.) Lebt das Kind hingegen zwischendurch immer wieder bei fürsorglichen Bezugspersonen, die sich um ihr Neugeborenes kümmern, es halten, kuscheln, sanft wiegen, streicheln, stillen oder füttern und dabei mit leisen Worten beruhigend auf es einreden, kommt das Nervensystem in solchen Momenten immer wieder kurz zur Ruhe.

Früher glaubte man, dass ein Kind, dass „schreien gelassen wird“, nur so lernen wird, eine Selbstregulationsfähigkeit zu entwickeln. Dass sie so lernen, sich selber zu beruhigen. Wenn man ein Kind jedoch schreien und vollkommen alleine lässt, bewirkt man im Grunde nur eines: Irgendwann ist das Kind so erschöpft und so gestresst, dass es völlig dissoziiert. Auf Eltern mag dies früher so gewirkt haben, als hätte sich das Kind endlich beruhigt. Stattdessen hat es völlig resigniert und sich seinem „Schicksal“ ergeben. Ihr Gehirn wird mit Stresshormonen geflutet, die irreversible neuronale Schäden bewirken können. Das Kind wird zukünftig umso sensibler auf Stress reagieren und auch bereits bei leichtem Stress eine massive Überforderung bis hin zu Todesangst wahrnehmen. Sie werden auch als Erwachsener kaum in der Lage sein, sich in solchen Situationen selber zu beruhigen.

Wenn Eltern, die unbeteiligt sind, jedoch immer achtsam auf das Kind eingehen. Es beruhigen und trösten, wir der sogenannte „Vagusnerv“ stimuliert. Dieser wird auch „Selbstheilungsnerv“ genannt und ist für Ruhe, Erholung und Entspannung zuständig. Das Kind lernt, sich selber zu regulieren und stressige Situationen besser zu verarbeiten.

Das allein ist natürlich kein Ausschlusskriterium für eine progr. DIS, aber das Kleinkind wird widerstandsfähiger und es kann immer wieder zu Komplikationen bei seiner Mind-Control und Programmierung kommen. Hier befinden sich die Täter ohnehin bereits im Zeitstress, weil das Kind immer nur für eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, ehe es wieder zurück ins Elternhaus gebracht werden muss. Wenn das Kind nun keine perfekten Ergebnisse während seiner Programmierung erzielt und Trainingseinheiten immer wieder erneut durchlaufen werden müssen, ist das für die Täter sehr ärgerlich.

2️⃣ TBMC basiert auf Gefühlen von Angst, Schuld und Scham. Wir wurden unser gesamtes Leben lang, bereits seit frühester Kindheit, als „böse“ bezeichnet. Alle haben verinnerlicht, dass sie die Gewalt verdienen. Dass sie sich deswegen weder wehren und schon gar nicht beschweren dürfen. Dass wir absolut und vollkommen wertlos sind. Meine Frau diskutiert aktuell mit einigen Höherrangigen darüber, dass der Kult ihnen allen diese Gewalt niemals hätte antun dürfen. „Warum nicht? Nur dafür sind wir da.“ – „Das stimmt nicht. Kein Mensch ist dafür da, dass man ihm Gewalt antut. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Niemand ist mehr oder weniger wert.“ – „Du hast doch keine Ahnung. Wir sind nichts wert. So ist das eben. Manche Menschen werden nur dafür geboren. Einen anderen Nutzen haben wir nicht. Manche Menschen sind vollständig wertlos. Wir verdienen kein anderes Leben. Das steht uns nicht zu.“ Und so weiter und so fort.

Ein Zitat aus dem Buch „Dunkle Psychologie“ von Harold Fox beschreibt, dass ein wichtiger Schritt der Mind-Control darin liegt, massive Schuld- und Schamgefühle im Opfer zu erzeugen:

„Dieser Schritt ruft beim Opfer ein tiefes Schuldgefühl hervor und gibt ihm das Gefühl, dass seine Schlechtigkeit oder Fehlerhaftigkeit behoben werden muss. Während das Opfer durch den ersten Schritt («Angriff auf die Identität») eine Identitätskrise erlebt, erzeugt der Gehirnwäscher gleichzeitig ein überwältigendes Gefühl von Schuld in der Zielperson. Gehirnwäscher greifen das Gegenüber wiederholt und erbarmungslos für jede «Sünde» an, die die Zielperson begangen hat. Sie kritisieren das Opfer für alles, von der Bösartigkeit seiner Überzeugung bis hin zu der Art, wie es langsam oder schnell isst, bis die Zielperson beginnt, ein allgemeines Gefühl der Scham zu empfinden, dass alles, was sie tut, auf die eine oder andere Weise falsch oder schlecht ist.“ (S. 47)

Uns wurde an allem die Schuld gegeben: Am Tod der Großeltern oder an jeglicher Erkältung, die ein Familienmitglied jemals hatte. Wenn meine Frau heute vor allem die Kinder (verschiedenster Systeme) fragt, warum es ihre Schuld sei, dass die uralte Oma verstorben sei, antworten sie sofort: „Weil wir böse sind.“ Natürlich ist das keine richtige Erklärung. Natürlich mag das für einen Außenstehenden unsinnig klingen. Aber für diese Innenpersonen ist das die ultimate Wahrheit und zu 100% logisch. Neulich hatte ein kleines Mädchen (keine Alltagsperson) von einem Urlaub mit den Eltern erzählt. Ihre Geschichte klang in etwa so: „Wir haben damals eine Ferienwohnung gemietet. Aber dann wurde ich krank und habe den ganzen Urlaub ruiniert. Die Mama hat sich einen Zeh gebrochen, aber das war meine Schuld, weil sie einmal nach mir gucken wollte, und sich dabei an der Zimmertür gestoßen hat. Der Papa war total sauer, aber das verstehe ich. Ich habe alles kaputt gemacht.“

Wenn uns im Elternhaus mal etwas aus der Hand gefallen ist oder wir am Tisch etwas umgeworfen haben, wurden wir umgehend beschimpft, wie blöd und unfähig wir doch seien und anschließend schwer dafür bestraft. Ich erinnere mich, dass mir etwa vor einigen Monaten der Seifenspender im Badezimmer heruntergefallen ist. Er war dann zerbrochen und das ganze Bad voll klebriger Seife und Glasscherben. 

Wir sind zwar nicht gewechselt, aber ich hatte umgehend dutzende panische Innenkinder im Co-Bewusstsein, die pausenlos sagten: „Jetzt werden wir bestraft. Jetzt muss sie uns weh tun. Jetzt passiert gleich wieder etwas sehr Schlimmes.“ Meine Frau musste mich/uns erst einmal trösten, ehe sie das Bad sauber machen könnte. Wir waren dazu gar nicht in der Lage, weil wir so getriggert waren. Die ganzen Kinder verstehen bis heute nicht, weshalb meine Frau mich nicht angebrüllt und bestraft hat. Sie wissen zwar, dass sie das noch nie getan hat und auch nicht der Typ dafür ist, aber „Strafe muss doch sein!!“

Eine Familie, die gar nicht oder auch nur ein Elternteil, das nicht involviert ist, können/kann dem Kind immer wieder sagen und auch zeigen, wie sehr es geliebt wird. Vielleicht machen die Eltern auch Komplimente und lieben ihr Kind. Sagen, dass sie stolz auf es sind. (Wir wissen ehrlich gesagt nicht, ob das „normale“ Eltern tun? Also schreiben wir hier hoffentlich nichts Falsches.) Wenn das Kind „Fehler“ macht, wird es nicht bestraft oder gemaßregelt. Die Eltern erklären vielleicht (ruhig), dass das Verhalten nicht gut war. Oder sie sehen es gleich nur als Lappalie an, die eben passiert, zum Beispiel wenn das Kind am Esstisch sein Wasserglas umkippt. (Wir wurden für so etwas zum Beispiel mit zwei Tagen Trinkverbot bestraft, weil wir Wasser scheinbar nicht zu schätzen wüssten.) Das kindliche Selbstbewusstsein und -wertgefühl wird euer aufgebaut und gefördert, als von Anfang an zerstört.

3️⃣ Rückkehr- und Melde-Programme werden häufig an die Familie, vor allem an die Mutter gekoppelt, weil sich die Täter die instinktive Mutter-Kind-Bindung zu Nutze machen bzw. die Sehnsucht nach Mutterliebe ausnutzen und im Grunde mit den Gefühlen der (Innen-)Kinder spielen. Sätze, die in die Mind-Control eingebaut werden, könnten sein: „Wir werden deine Mama umbringen, solltest du jemals abhauen!“, was noch wirkungsvoller sein kann als ein „Solltest du jemals den Kult verlassen, muss der Nachbar mit dem Leben bezahlen.“

Und ein „Du musst dich immer bei der Mama melden, sonst wird sie krank vor Sorge, stirbt vor Kummer und Sehnsucht und du ganz allein bist Schuld, weil du so eine schreckliche, undankbare Tochter bist, die ihre eigene Mama im Stich gelassen hat!“ macht noch mehr her als „Wenn du deine Großtante nicht regelmäßig kontaktierst, wird sie vor Trauer sterben.“

Neben diesen extra darauf programmierten und in der Regel noch sehr jungen Innenpersonen, sind es aber auch die unwissenden Alltagspersonen, die die kPTBS und DIS leugnen, die sich nicht darauf einlassen wollen würden, der Familie den Rücken zu kehren. Schließlich war zu Hause doch immer alles in Ordnung und wie gemein und undankbar kann ein Kind nur sein, den Kontakt zur gesamten Familie abzubrechen?!

Zusätzlich zu den Rückkehr-Programmen im Kult Kontext („Wir dürfen keine Verräter sein!“ etc.) ist es für Betroffene so wahnsinnig schwierig, den Kontakt zu beenden.

4️⃣ Den Kindern werden sukzessive alle Bedürfnisse abtrainiert. Grundbausteine der Mind-Control und des absoluten Gehorsams sind Trainingseinheiten, die folgende Glaubenssätze beinhalten: „Ich habe nichts zu brauchen. Ich habe nichts zu wollen. Ich habe nichts zu wünschen. Ich habe nicht zu vertrauen.“ (Im Englischen: „Not need. Not want. Don’t hope/desire.“) Ein mögliches Szenario, welches bei uns in System vor allem die vielen Höherrangigen durchlaufen haben, sieht so aus: Das Neugeborene und Kleinkind wird über viele Jahren hinweg wiederholt in einen weißen, vollständig sterilen, schallisolierten und leeren Raum gesperrt. Anfangs nur wenige Stunden, später auch mehrere Tage lang. Ohne Essen, Trinken, einer Decke, Ablenkung, Kontakt. Es muss lernen, mit nichts auszukommen. Nichts zu benötigen. Es lernt, dass es absolut nichts in dieser Welt braucht, und dennoch überlebt. Weil es „stark“ ist und über jedwede profanen menschlichen Bedürfnisse erhaben. Sehr, sehr viele noch junge Innenkinder, auch aus den Alltagssystemen, wurden früher wiederholt im Keller eingesperrt ohne Trinken und Essen.

Wenn wir nach einem Tag dort gefragt wurden, ob wir Durst haben, und dies bejaht haben, wurden wir bestraft. Am Tag darauf wurde ein Glas Wasser in den Raum gestellt. Haben wir daraus getrunken, wurden wir bestraft. Spätestens am dritten Tag im Keller ohne jegliche Flüssigkeitszufuhr haben sich neue Innenpersonen abgespalten. Das war der Moment, in dem die Mutter kam und diese Kinder „gerettet“ und sie versorgt hat. Diese Innenkinder, größtenteils sind sie zwischen zwei und vier Jahre alt, sehen die Mutter als Retterin an und glauben, dass sie ohne sie sterben müssen. Auf diesen Überzeugungen wurden einige Rückkehr-Programme aufgebaut.

So oder so lernt das Kind, dass es weder Bedürfnisse noch Wünsche hat. Wenn solche Kinder heute ins Außen kommen, fragt meine Frau sie zu Beginn oft, ob sie Durst haben und etwas trinken möchten. Allerdings kennen sie diese Worte gar nicht. Sie bekommen dann trotzdem etwas zu Trinken, auch wenn manchmal erst gezeigt und erklärt werden muss, wie Trinken überhaupt geht. Da sie aber alles machen, was ihnen gesagt wird, befolgen sie diesen „Befehl“ dann auch. (Man merkt auch, dass es ihnen anschließend etwas besser geht, weil sie das Trinken ein Stück weit ebenso beruhigt.)

Ein Kind, das bei liebevollen oder einfach nur „normalen“ Eltern aufwächst, wird regelmäßig versorgt. Die Eltern werden Fragen stellen wie: „Hast du noch Hunger? Möchtest du auch etwas trinken? Was wünscht du dir eigentlich zum Geburtstag?“ Ganz beiläufig, alltäglich und kontinuierlich. Aber das Kind, das zuvor bei den Tätern gelernt hat, dass es doch gar nichts selber entscheiden darf, könnte panisch darauf antworten: „Das weiß ich doch nicht. Ich darf das nicht entscheiden. Das musst du sagen!“ Woraufhin die Mutter irritiert nachfragen könnte: „Aber Schatz, wieso sagst du so etwas? Du weißt doch am Besten, was du möchtest. Das kann ich dir nicht sagen.“ Das wiederum könnte die bereits teils verinnerlichen Überzeugen aus den Trainingsszenarien beim Kult wieder aufweichen und ggf. ganz zunichte machen. Der Kult müsste immer wieder von Vorne anfangen.

5️⃣ Für die Täter ist es von Vorteil, wenn das Opfer irgendwann noch ein Geschwisterkind erhält, das von seinen Eltern auffallend besser behandelt wird. Bei uns war es so, dass die kleine Schwester wie eine Prinzessin behandelt wurden und sämtliche Wünsche und Bedürfnisse erfüllt bekommen hat. Wir hingegen waren immer nur das „böse Kind“, das absolut wertlos und unwichtig war. Wir lernten nach der Geburt der Schwester sehr schnell, dass wir offensichtlich „falsch“ waren, weil es ihr so viel besser erging. Sie war die liebe, gute, Tochter, wohingegen wir für den Stiefvater nur der letzte Dreck waren. So verinnerlichten wir im direkten Vergleich mit ihr eine ungeheure Wertlosigkeit. Das gesamte System lernte schnell zu glauben, dass wir die Gewalt verdienen, weil wir böse und falsch sind. Die Eltern waren ganz offensichtlich keine schlechten Eltern, denn die Schwester wurde schließlich gut behandelt. Wir waren das Problem. Nicht die Menschen, die uns Gewalt zufügten. Wir waren böse und falsch und nötigten sie dazu, uns zu bestrafen.

6️⃣ Während der Schwangerschaft wird die Mutter wiederholt mit Strom gefoltert. Nicht nur, um den Fötus zu stressen, sondern vor allem, um die Bindung zwischen Mutter und Kind zu zerstören. Dissoziiert die Mutter während Folter und Schwangerschaft zunehmend, kommt das Kind ohne Mutterbindung auf die Welt. Es dissoziiert wesentlich schneller. Ein Kind, das an seine Mutter gebunden ist, auf Trost etc. reagiert, sich beruhigen lässt, kann zwar natürlich auch noch eine DIS entwickeln, Programmierer jedoch werden Probleme beim gezielten Spalten bekommen. Es kann gut passieren, dass die Mind-Control überhaupt nicht greifen wird. (Dementsprechend wird das Kind auch gleich nach der Geburt getestet um zu prüfen, ob es brauchbar ist. Darüber schreiben wir schon oft.)

7️⃣ Diesbezüglich sei noch erwähnt, dass Kinder, deren Mütter bereits hoch dissoziativ und ebenfalls multipel sind, einfach die besten Anlagen für eine Programmierung mit sich bringen als Kinder von gesunden Müttern! Daher werden diese bevorzugt. Hintergrund hierfür ist die transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen im Sinne von Epigetenik.

8️⃣ In unserer Tätergruppierung ist es Pflicht, dass beide Elternteile ihr Kind in Elternhaus täglich sexuell missbrauchen. (Auch von satanischen Kulten haben wir ähnliches gehört; hier fehlt uns jedoch die eigene Erfahrung.) Das Kind muss lernen, dass sein Körper nicht ihm gehört. Dass es nichts weiter ist als ein Objekt, über das sämtliche Menschen bestimmen dürfen. Es hat kein Recht am eigenen Körper, noch an der körperlichen Unversehrtheit. Es ist sämtlichen Erwachsenen ausgeliefert. Sie dürfen über es bestimmen. Das Kind hat keine Recht und kein Anspruch auf ein gewalt- und schmerzfreies Leben. Dies sind Grundlektionen, die es zu verinnerlichen hat, um sich der Programmierung nicht (weder auf bewusster noch unbewusster Ebene) zu widersetzen.

Hinzu kommt, dass die Eltern die Aufgabe haben, ihr Kind vaginal und anal zu denen, um das Risiko von Rissen und tödlichen Verletzungen im Intimbereich zu minimieren. Dazu nutzen sie immer größer werdende Objekte, anfangs noch die eigenen Finger. Würde das Kind nur beispielsweise an den Wochenenden, wenn es bei den Tätern ist, gedehnt werden, ist dies nicht ausreichend, um so früh wie möglich vergewaltigt zu werden, ohne daran zu versterben oder dass es zu irreparablen Schäden, Rissen etc. kommt.

9️⃣ Eine Programmierung bzw. TBMC Einheit ist maximal belastend für die körperliche und mentale Gesundheit des Kindes. Täter gehen weit über die Grenzen hinaus, um mit schier unbeschreiblicher Gewalt das Kind zu brechen und zu programmieren. Dies ist für den Körper, für das Herz aber auch für das Gehirn eine Extrembelastung, wie sie so niemals vorkommen sollte. Nach solchen Sitzungen ist es erforderlich, dass das Kind in einen künstlichen Schlaf versetzt wird, damit der Körper sich von der Tortur erholen kann. Andernfalls riskieren die Programmierer dauerhafte Hirn- und Herzschäden. Daher verabreichen sie den Säuglingen und Kleinkindern Schlafmittel, die sie auch mehrere Tage am Stück (bis hin zu einer Woche) durchschlafen lassen. Würden die Eltern zwischendurch verlangen, ihr Kind zu sehen oder zu sprechen, kämen die Programmierer in eine ziemliche Bredouille und Erklärungsnot.

Themenwunsch: „Wie kann es sein, dass Eltern nicht mitbekommen, wenn ihr Kind org. rit. Gewalt erlebt?“, 01. Teil

Anmerkung:

Als wir kürzlich nach Themenwünschen gefragt haben, wurden wir gebeten, einmal darüber zu schreiben, wie es sein können, dass Eltern nicht mitbekommen, wenn ihr Kind rituelle Gewalt erlebt.

Weil das Thema der Eltern immer wieder vor allem auch in unseren Q&As auftaucht, haben wir uns nun einmalig für eine sehr ausführliche Antwort entschieden, um künftig darauf verweisen zu können.

Vorab aber einige wichtige Anmerkungen: Ein Kind kann rituell missbraucht werden ohne gleichzeitig programmiert zu werden! Nicht alle Betroffene ritueller Gewalt entwickeln auch eine progr. DIS. Dies hängt auch immer davon ab, wie weit man die Definition rit. Gewalt stecken möchte. Auch kirchliche Institutionen o.ä. können Kinder rituell missbrauchen; es muss nicht zwangsläufig eine enorme, national wie international agierenden Tätergruppierung dahinterstecken. In diesem Fall müssen die Eltern nicht zwangsläufig involviert sein. Hier greift dann eine ganz andere Frage: Wie kann es sein, dass Eltern nicht mitbekommen, dass ihr Kind sexuell missbraucht wird? Anzeichen für (früh-)kindlichen Missbrauch gibt es viele, aber nicht immer hat ein Kind aufmerksame, liebevolle Eltern, diese auch zu bemerken. Möglich ist zum Beispiel, dass die Eltern psychisch oder körperlich krank sind und sich sehr mit ihren eigenen Befinden beschäftigen, das Kind evtl. emotional vernachlässigen. Vielleicht haben die Eltern starke Probleme mit sich selbst, ihrer Ehe, ihrem Job usw. Auch hier kann das Kind vernachlässigt werden, alle Anzeichen übersehen werden.

In der Beantwortung der Anfangs gestellten Fragen beziehen wir uns nicht explizit und ausschließlich auf das Erleben ritueller Gewalt, sondern schließen den Fall mit ein, dass das Kind zusätzlich programmiert wird und TBMC erlebt.

Dazu einige Sätze vorab:

🔸 In unserem Kult ist es Pflicht, dass die Eltern aktiv beteiligt sind. Es reicht nicht aus, dass z.B. die Mutter von einem gewalttätigen Ehemann und Kindsvater ebenfalls unterdrückt und brutalisiert wird, sodass sie den Missbrauch ihres Kindes passiv zulässt. Die Mutter muss aktiv daran mitwirken. Fortlaufend. Im Elternhaus die gesamte Kindheit und Jugend über. Dies wird auch sehr streng und regelmäßig überprüft und sollte die Mutter nicht in der Lage sein, die Anweisungen des Kultes umzusetzen, wird ihr das Kind weggenommen.

🔸Wie in den Beiträgen „Urvertrauen“ und „Mind-Control“ bereits ausführlich geschrieben, muss die Mutter-Kind-Bindung zerstört werden. Kinder, die dennoch eine Bindung zu ihrer Mutter aufbauen, gelten als für die Programmierung untauglich und werden getötet.

🔸Wie handhaben andere Kulte dies? In den Fachbüchern von Alison Miller wird ebenfalls immer wieder dieser Aspekt hervorgehoben. Auch Stella Katz, eine ehemalige Trainerin in einem satanischen Kult schreibt ausführlich über die Beteiligung der Mutter. Allerdings kommen wir persönlich weder aus einem rein satanischen, noch christlichen, noch nationalsozialistischen Kult o.ä. An dieser Stelle können wir daher lediglich auf die Einschätzungen oben genannter Experten verweisen und es nicht mit eigenen Erfahrungen belegen!

🔸 Quellen, die wir für diesen Beitrag genutzt haben, sind sowohl bekannte Fachbücher insbesondere von Alison Miller, aber auch viele weiterführende und vertiefende englischsprachige Fachartikel zu diesem Thema. Zudem haben wir die sehr ausführlichen Werke von (ehemaligen) Programmierern gelesen und stehen mit einem weiteren ehemaligen Programmierer im persönlichen Austausch. (Falls die Frage aufkommt: Nein, diese Kontakte helfen nicht, unsere eigene TBMC/Programmierung aufzulösen. Sie helfen lediglich, ein ganz klein wenig mehr zu verstehen.) Diese Informationen möchten wir an dieser Stelle aber nicht öffentlich stellen.

🔸 Und zu guter Letzt: Die Beiträge zu diesem Thema wurden vollständig von unserer Frau (@wortvertrauen) verfasst, weil wir gar nicht in der Lage sind, über dieses Themen zu schreiben geschweige denn diesbezüglich Literatur zu lesen.

Wie es sein kann, dass Eltern oder ein Elternteil nicht mitbekommen können, dass ihr Kind rit. Gewalt erlebt, können wir dir ehrlich gesagt nicht erklären. Da sind wir einfach die falschen Ansprechpartner. Wir haben unsere Ausstiegsberatung einmal darauf angesprochen (weil es bei uns natürlich auch Kinder gibt, die leugnen, dass vor allem die Mutter daran beteiligt war und wissen wollten, ob das möglich sein könnte), und sie erklärte, dass das nur sehr selten vorkomme. „Das sind dann aber keine so extrem komplexen Systeme, wie ihr es seid. Das geht nur, wenn die Mama auch beteiligt ist.“ (Das wollten diese Kinder aber natürlich weder hören noch glauben, denn sie suchen fortlaufend nach Beweisen, dass die Mutter lieb gewesen ist.)

Aber, wichtig ist: Ja, es ist möglich, dass kein Elternteil oder nur ein Elternteil daran beteiligt ist, dass ihr Kind rituelle Gewalt erlebt! Solche Fälle gibt es, bei denen die Eltern zwar selber nicht „böse“ sind, ihr Kind dennoch (schwer) vernachlässigen und schlichtweg nicht mitbekommen, was in seinem Leben vor sich geht. Es könnte zum Beispiel so sein, und dieses Fallbeispiel nannte sie uns damals auch, dass das Kind aus einer armen und sozial schwachen Großfamilie kommt, dessen Eltern sich mit starken Existenznöten herumschlagen müssen und sich nicht angemessen um alle Kinder kümmern können. Wenn dann irgendwelche Menschen von außerhalb, seien es Familienmitglieder oder irgendein „Verein“ anbieten, sich ausgiebig um das Kind zu kümmern und zeitweise vielleicht auch bei sich aufzunehmen, können sie dies dankend annehmen und in dem Moment vielleicht wirklich das Beste für ihr Kind wollen! Vielleicht sind die Eltern aber auch körperlich und psychisch krank, ggf. auch schwerbehindert. Oder sie müssen sich um ein solches Geschwisterkind kümmern und verlieren ihr anderes Kind dabei völlig aus den Augen.

Natürlich gibt es noch mehr Szenarien! Doch wie anfangs geschrieben, sind wir hierfür die falschen Ansprechpartner; das müssten du Betroffene fragen, bei denen dies tatsächlich so gewesen ist. Sie können es dir vielleicht besser erklären und Gründe benennen, die uns selber nicht einfallen. 😊

Für die Täter ist es jedoch immer sicherer, keine Kinder von außerhalb in den Kult zu holen, weil das Risiko, dass die Eltern aufmerksam werden, viel zu hoch ist. Ihre Geheimhaltung ist ihnen wichtiger als alles andere; wichtiger als Profit, wichtiger als Machtgewinn, wichtiger als ihr Sadismus. Nicht umsonst ist jede Programmierung darauf ausgelegt, den Kult zu schützen! Das ist vielleicht ihre einzige, aber vor allem ihre größte Angst. 

Also werden natürlich immer Kinder bevorzugt, bei denen auch die Eltern bereits involviert sind. Hier hat der Kult einfach die größtmögliche Kontrolle. In sehr vielen Tätergruppen ist es zum Beispiel auch so, dass sollte sich die Mutter doch unerwarteterweise weigern, sich an der Programmierung ihres Kindes zu beteiligen (hierzu zählen psychischer, körperlicher und sexueller Missbrauch!), es ihr weggenommen und einer Trainerin übergeben wird. Es kann auch vorkommen, dass die Mutter ihr Kind freiwillig einer Trainerin übergibt und die „Rechte“ am Kind abtritt, sich dadurch aber selber aus dem Kult freikauft.

Im Folgenden benennen wir acht Risikofaktoren, die ein Kult einkalkulieren muss, wenn sie beschließen, ein Kind ohne Beteiligung der Eltern in die Gruppierung zu holen:

1️⃣ Dem Kind werden bereits früh schwere Verletzungen zugefügt; es wird nicht nur weiße, sondern vor allem auch rote Folter angewandt. Das Kind hat Hämatome und Blutungen insbesondere auch im Intimbereich. Hier wird es immer wieder zu Blutungen, Entzündungen, Rissen, Ausfluss, Infektionen etc. kommen. Das Kind erleidet Quetschungen, Verbrennungen und Vereisungen. Knochenbrüche, Rippenbrüche, Verätzungen. Einstichstellen (Nadeln, Injektionen für Drogen, Halluzinogene o.ä.) Und so weiter. Eine Mutter wird ihr Kind in den ersten Lebensjahren wickeln, baden, anziehen. Wie kann sie all diese Verletzungen und Wunden nicht bemerken?

Eine Programmierung muss zwingend in den ersten Lebensjahren angelegt werden. Wenn das Kind vier, fünf Jahre alt ist (Grenze zur Entstehung einer DIS) ist es schon zu spät für komplexe Programmierungen! (Konditionierungen funktionieren natürlich noch immer.) Folglich muss die Gewalt vorher stattfinden. Man kann mit Folter und Gewalt nicht warten, bis das Kind schon etwas selbstständiger wird und sich alleine waschen und anziehen kann, sodass die Mutter seinen nackten Körper gar nie mehr zu Gesicht bekommt. Und auch dann gibt es immer wieder Situationen, in denen sie den Körper zufällig erblicken kann, zum Beispiel wenn sie mit dem Kind neue Kleidung einkaufen geht, wenn es im Schwimmbad einen Badeanzug trägt und sich vor der Mutter umzieht usw.

2️⃣ Mind-Control, also Gehirnwäsche, setzt voraus, dass das Individuum für diese Dauer vollkommen isoliert wird. Alle äußeren Einflüssen und Reize müssen kontrolliert werden, damit die Programmierer das Kind nach ihren Vorstellungen formen können. Lebt das Kind zwischendurch immer wieder bei einem liebevollen Elternteil, können all diese „Erfolge“ zunichte gemacht werden. Das Kind und alle Innenpersonen haben die Überzeugungen und Wertvorstellungen der Täter zu verinnerlichen. Wenn ein (oder beide) liebevolles Elternteil dem Kind hingegen immer wieder sagt und vor allem auch zeigt, wie sehr es geliebt wird; wie glücklich die Eltern mit dem Kind sind; dass es bei ihnen immer sicher und behütet und beschützt ist; wie kostbar und wertvoll das Kind ist, werden zahlreiche Innenpersonen mit diesen Überzeugungen auch aufwachsen und es wird schwerer, sie von ihrer absoluten vermeintlichen Bösartigkeit und Wertlosigkeit zu überzeugen.

Hierzu kurz ein Zitat; näheres dazu im Beitrag „Gehirnwäsche“ (vom 13.12.).

„Damit die Gehirnwäsche effektiv funktioniert, muss das Subjekt oder die Zielperson den Prozess der Gehirnwäsche unter völliger Isolation durchlaufen, da der Einfluss auf das Subjekt tiefgreifend ist. (…) Damit eine Gehirnwäsche erfolgreich sein kann, muss der Gehirnwäscher in der Lage sein, die totale Kontrolle über sein Gegenüber zu erlangen. Das bedeutet, dass er in der Lage sein muss, die Erfüllung aller menschlichen Grundbedürfnisse des Opfers zu kontrollieren (…). Außerdem wäre eine Isolation notwendig, weil äußere Einflüsse verhindern, dass sich die Person während dieses Prozesses auf den Gehirnwäscher verlässt, und das ist der Grund, warum die meisten Fälle von Gehirnwäsche in Gefangenenlagern und anderen isolierten Orten auftreten. (…) Nur eine Person in Isolation kann erfolgreich einer Gehirnwäsche unterzogen werden, und selbst dann dauert der Prozess in der Regel lange, da zahlreiche Schritte erforderlich sind, um die Identität und das Glaubenssystem einer Person zu verändern.“ (Fox, Harold: „Dunkle Psychologie.“ 2021, S. 44-52)

Eine frischgebackene Mama gibt ihr Kind in der Regel nicht einfach so aus der Hand. Sie überlässt es eigentlich keinem anderen Familienmitglied, Nachbarn oder gar einem fremden Menschen und das auch noch für einen langen Zeitraum. Eigentlich möchte sie doch jede Sekunde mit ihrem großen Wunder verbringen; diesem Wesen, das sie neun Monate lang unter ihrem Herzen getragen hat und das so sehnsüchtig erwartet wurde. Viele Mütter möchten ihr Kind auch stillen oder es zumindest mit dem Fläschchen füttern. (Außerdem sorgt die Mutter so dafür, dass das Neugeborene regelmäßig gefüttert und gewickelt wird, es nicht frieren muss, in den Schlaf gewiegt wird usw. Das heißt, sie geht auf seine Grundbedürfnisse ein, die eigentlich, siehe Zitat, einzig unter der Kontrolle des Programmierers zu liegen haben.) Nichts möchte man verpassen; nicht das erste Heben seines kleinen Köpfchens, die ersten gebrabbelten Worte, das erste Lachen, die ersten Schritte. Oft haben Mütter anfangs Schwierigkeiten damit, das Kind auch nur dem eigenen Partner zu überlassen. Oder einem Babysitter. Der Beschützerinstinkt ist stark ausgeprägt. (Im Optimalfall natürlich.) Weshalb also sollte einen Mutter ihr Neugeborenes, ihr Kleinkind für so viele Stunden, Tage, Wochen und teils auch Monate abgeben? Mit welcher guten Begründung könnten Täter dies bewirken? Welchen Vorwand könnten sie vorbringen?

Und wenn die Mutter sich schon trennt, wird sie nicht nahezu minütlich anrufen, ob auch alles in Ordnung ist mit ihrem Baby? Ob es ausreichend gefüttert wird? Ob es brav sein Bäuerchen macht und es immer schön warm hat? Wird nicht bald die Sehnsucht überhand nehmen, ihr Kind abends ins Bett zu bringen, zu stillen, zu wiegen? Der Kult muss sich einfach eine verdammt gute Ausrede einfallen lassen, einer frischgebackenen Mutter so lange und vor allem kontinuierlich das Kind zu entwenden!! Babys wollen auch eigentlich nicht von ihrer Mutter weg. Auch mit ein, zwei Jahren „klammern“ viele Kinder sehr und möchten auf gar keinen Fall von der Mama getrennt werden, um mal bei Oma und Opa zu übernachten. Wenn ein Kind nun schreit und weint und darum bettelt, zu Hause bleiben zu dürfen, wird wohl kaum eine Mutter sagen: „Mir egal, du gehst jetzt trotzdem.“

3️⃣ Feiertage fallen häufig in die Ferienzeit, zum Beispiel Ostern und Weihnachten. Aber auch während der Sommerferien finden viele wichtige Kult Rituale statt. Eine „normale“ Familie, die nicht darüber Bescheid weiß, dass ihr Kind in einen Kult geholt wurde, kann während der Oster-, Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien über das Wochenende verreisen oder gleich für zwei, drei Wochen in den Urlaub fliegen. Während dieser Zeit steht das Kind nicht zur Verfügung, weder dem Kult selbst, noch für die Zwangsprostitution. Das ist besonders ärgerlich an den „hohen Feiertagen“ wie Ostern und Weihnachten, aber im Grunde auch zu den Ritualen im Juli und August (Sommerferien). Entweder verzichtet der Kult zu diesen wichtigen Daten auf sein System, oder die Täter lassen sich jedes Jahr Gründe einfallen, warum das Kind bei ihnen bleiben soll, während die Familie in den Urlaub fährt.

4️⃣ Eine DIS entsteht nicht nach dem ersten Mal! Bis sich eine DIS entwickelt, muss das Kleinkind chronische Traumatisierungen erlebt haben. Das heißt, das Kind zeigt deutliche Anzeichen von Hochstress, Angst, Verzweiflung usw. Es ist sehr schreckhaft, hat Albträume usw. Die Eltern können merken, dass ihr Kind plötzlich sehr verstört wirkt, vor allem immer dann, wenn es von Person X wieder nach Hause kommt.

Außerdem können die Täter besonders im ersten Lebensjahr nicht gut steuern, welche Innenperson im Außen ist, weil das Kind noch nicht in der Lage ist, Befehle, Kommandos, Aufforderungen oder ganz allgemein Sprache zu verstehen. Das heißt, es gibt keine Garantie, dass ein unwissenden Alltagskind bei den Eltern zu Hause ist. Es könnte ebenso ein schwer traumatisiertes Kind sein, das womöglich auch noch darüber spricht (sobald es dies erlernt), was es erlebt hat.

Die Programme werden zu dieser Zeit alle eben erst noch angelegt; sie funktionieren natürlich noch nicht einwandfrei. Es ist eine sehr kritische Zeit, in der Außenstehende oder Familienangehörige etwas mitbekommen könnten. Wir waren aus diesem Grund zum Beispiel auch in einem Kult-Kindergarten. Als wir letztendlich mit sieben Jahren eingeschult wurden, war bereits im System alles Wichtige angelegt. Einige Alltagspersonen sind auch dann erst entstanden. Ab diesem Zeitpunkt erst wird das Kind extrem unauffällig. 

5️⃣ Viele Eltern stellen nachts ein Babyfon auf und kontrollieren regelmäßig, ob das Kind ruhig schläft. Oder sie lassen ihr Kind gleich im Ehebett oder einem Zustellbett schlafen. Die Täter können nicht wissen, ob das Kind, wenn sie es nachts zu Ritualen und zur Kinderprostitution abholen wollen, überhaupt in seinem Kinderzimmer ist oder gar bei den Eltern. Wenn das Kind im eigenen Zimmer schläft, ist es trotzdem in der Regel so, dass es vor allem im ersten Lebensjahr nachts oft wach wird und gestillt werden muss. Kinder schlafen schließen noch lange nicht durch! Diese Fähigkeit entwickelt sich erst mit der Zeit. Das heißt, die Mutter wird wissen, dass sie regelmäßig nach ihrem Kind schauen muss, um es zu füttern, ggf. zu wickeln, zu beruhigen und so weiter. Ist das Kind nachts aber immer beim Kult bzw. bei den Programmierern oder wird gerade verkauft, wird sie nur ein leeres Bett vorfinden.

6️⃣ Mädchen bekommen oft früh Hormonspritzen, damit sie mit 11-12 Jahren erstmals schwanger werden. Der Mutter kann auffallen, dass ihre Tochter früh die Periode bekommt, sie dann jedoch plötzlich wieder ausbleibt (wobei zu Beginn des Zyklus Unregelmäßigkeite natürlich normal sind). Aber vor allem in den folgenden Jahren mit weiteren Schwangerschaften kann sie bemerken, dass ihre Tochter plötzlich mal wieder keine Hygieneartikel (wie Tampons und Binden) mehr benutzt (weil sie diese immer sowohl für sich als auch ihre Tochter immer einkauft) und dass in der Unterwäsche oder dem Bettlaken auch keine Blutspuren mehr sind. Falls sie mit einer unwissenden Alltagsperson zur Frauenärztin geht, kann dort eine Schwangerschaft bestätigt werden.

7️⃣ Für Neugeborene und auch ältere Kinder gibt es (teilweise verpflichtende) Untersuchungen beim Kinderarzt, nämlich die U-Untersuchungen bis zum ca. 10 Lebensjahr. Aber auch so kann es immer mal wieder vorkommen, dass das Kind krank wird und die Eltern einen Arzt aufsuchen. Eltern, die vollkommen unbeteiligt sind, werden natürlich keinen Kult-Arzt aufsuchen. Bei diesen Untersuchungen könnte der ganz normale und liebe Arzt bemerken, dass das Kind körperliche Verletzungen aufweist oder sehr verhaltensauffällig wirkt. Auch macht das Kind so positive Erfahrungen in diesem Bereich, was es schwerer macht, anderen Innenpersonen die Angst vor medizinischem Personal anzutrainieren. Falls jugendliche Alltagspersonen irgendwann Depressionen, Angststörungen oder eine Essstörung entwickeln, können die unbeteiligten Eltern mit ihrem Kind einen Kinder- und Jugendtherapeuten aufsuchen und es zu einer Therapie ermutigen. Auch hier kann der Kult nicht beeinflussen, dass das Kind zu einem Kult-Therapeuten geschickt wird! Somit besteht die Gefahr, dass entweder ein (Kinder-)Arzt und ggf. ein Therapeut aufmerksam wird und Anzeichen für sexuellen Missbrauch, körperliche Folgeschäden oder auch die DIS erkennt.

8️⃣ Für den Fall, dass die Eltern zunehmend bemerken, dass ihrem Kind schwerste Gewalt angetan wird, es von einem anderen Familienmitglied oder Bekannten misshandelt und missbraucht wird (siehe Punkt 1, 4, 6, 7), können sie, weil sie an keine Schweige-Programme etc. gebunden sind, Anzeige erstatten. Auch könnten die Eltern eigenständig die Medien etc. involvieren und gesellschaftliche Aufmerksamkeit generieren. Der Kult riskiert schnell, in den Fokus polizeilicher Ermittlungen zu kommen. Das widerspricht ihrem obersten Gebot der maximalen Geheimhaltung.

Dies sind acht mögliche Risikofaktoren, die Kulte einfach bedenken müssen, wenn sie sich dazu entschließen, ein Kind von außerhalb zu holen, anstatt dass beide Elternteile bereits aktiv Kultmitglied sind (der Vater in der Regel als Täter, die Mutter als Opfer/ebenfalls DIS System.)

Der Vollständigkeit halber müssen wir natürlich noch erwähnen, dass es natürlich nicht immer die leiblichen Eltern sein müssen, sondern im Grunde die primären Bezugspersonen, bei denen ein Kind lebt und aufwächst. Seien es Adoptiveltern und Verwandte, oder in einem Waisenhaus oder Kinderheim.

Jahresrückblick 2021

Jahresrückblicke fallen uns unglaublich schwer. Wir haben kaum ein Gefühl für Zeit, für Chronologie. Die eigene Lebensgeschichte ist nur fragmentarisch vorhanden und es ist für uns alle enorm schwierig, Geschehnisse in eine richtige Reihenfolge zu bringen. Im Grunde müssten wir über eintausend Jahresrückblicke schreiben, für jeden von uns eine, um allen Erinnerungen gerecht zu werden. Zeit in der Innenwelt verläuft irgendwie anders. Für manchen vergeht sie langsamer, für andere schneller, für manch einen gar nicht. Und wieder andere wissen nicht, was „Zeit“ überhaupt bedeutet, was eine Minute oder ein Tag ist. Viele von uns leben zwei Leben, eines im Innen und eines im Außen. Es ist kompliziert.

Und dennoch: Objektiv betrachtet war das Jahr 2021 das allererste Jahr ohne Übergriffe. Ohne direkten Täterkontakt. (Wenngleich es Kontaktversuche und Kontaktaufnahmen seitens der Täter gab und gibt.) Ohne den Kult. Ohne Zwangsprostitution. Das erste vollständig gemeinsame Jahr mit unseren Herzensmenschen @wortvertrauen. 💙🌼

Das Jahr war trotzdem geprägt von Schmerzen. Einer schmerzhaften Realisation, wie kaputt der Körper ist. Gemacht wurde. Unsere Frau hat uns immer wieder zu Ärzten geschleppt; wir haben eine Schmerztherapie begonnen. Gehen regelmäßig zur Ergotherapie und Physiotherapie und sind trotzdem stark körperlich eingeschränkt. Dafür haben unsere Füße nun Namen! Irgendwie macht das den Schmerz erträglicher. Das Sorgenkind heißt „Harald“, sein Bruder ist der „Herold“. 🙊 Immer, wenn der Harald wieder ganz besonders weh tut und jammert, meckert sein Bruder: „Du bist so ein schwächliches Füßchen! Sie mich an. Ich beschwere mich auch nicht. Ich bin ein ganzer Fuß!!“ Keine Ahnung. Uns hilft es. 🙊

Wir haben geheiratet! Im Herbst haben Wifey und ich uns das Ja-Wort gegeben. 👰👰 Und sind unverändert überglücklich miteinander. ✨ Übrigens, weil immer wieder die Frage aufkommt: Unsere Freunde sind real. Sie sind keine imaginären Freunde. Es sind echte Menschen! 

Wenn wir „unsere Freunde“, „unsere Herzensmenschen“, „meine Frau“ schreiben, meinen wir damit immer ein und denselben Menschen, @wortvertrauen. Weil sie ebenfalls eine DIS haben, reden wir im Plural von ihnen. (Bei ihnen gibt es aktuell nur wenige aktive Innenpersonen; meine Frau ist als erwachsene Alltagsperson inzwischen fast ausschließlich alleine im Alltag anwesend.)

Oh, außerdem sind die Glubschis bei uns eingezogen! 😌 Alles begann mit Spooky 🦇 und Petunia 🦉, und irgendwie ist es seither dezent eskaliert und zum heutigen Tage umfasst die glubschibande sage und schreibe 72 Mitglieder. 🙊 (Ja, natürlich kennen wir alle mit Namen, Alter, Charakter, Beruf, Lebensgeschichte usw. 😌)

In diesem Jahr haben wir sehr viel über uns, unsere Herkunft, unsere Hintergründe, unsere Tätergruppierung erfahren. Erkenntnisse, die wir online nicht teilen, die aber unsere Sicht auf die Welt noch einmal maßgeblich verändert haben. Wir hielten sie noch nie für einen guten, einen sicheren Ort. Jetzt haben wir die Gewissheit. Aber umso mehr versuchen wir, nicht mehr das große Ganze zu sehen. Sondern nur noch auf die kleinen Momente zu blicken. Die Glücksmomente. Die herzlichen Begegnungen. Die liebevollen Worte, die uns erreichen. 

In unserer Innenwelt bzw. dem Innensystem versuchen wir, Dinge zum Guten zu verändern. Uns aus den Alltagssystemen sind hier natürlich vollständig die Hände gebunden, aber unsere Frau führt fleißig Verhandlungen und Diskussionen; wird niemals müde, die immer wieder gleichen Dinge zu erklären und Gespräche zu führen. Seit 15 Monaten arbeiten wir am Inneren Ausstieg und in mini Schritten geht es voran. Wir freuen uns über jeden noch so vermeintlich kleinen Erfolg. Wir haben unfassbar große Angst vor dem, was in uns ist; was in uns hinein programmiert wurde. Wir haben Angst, dass uns auf lange Sicht die Zeit ausgehen wird und zeitlich geschaltete Suizid- und Selbstzerstörungs-Programme alles vernichten und beenden werden, wofür wir so hart arbeiten. Angst macht machtlos und Angst lähmt, aber mit Angst kennen wir uns aus und trotz riesig großer Todesangst haben wir den äußeren Ausstieg, unsere Flucht im letzten Jahr, gewagt. 

In der Innenwelt haben wir eine Vielzahl von Bestrafungen über uns ergehen lassen müssen. Naturkatastrophen, Gefangenschaft, Gewalt. Das 1. Alltagssystem ist seit über einem Jahr blockiert und darf nicht mehr ins Außen kommen. (Zu manchen ehemaligen Freunden ist der Kontakt daher auch abgebrochen, weil die Freundschaft zu Personen von uns bestand, die einfach nicht mehr da sind. 😔) Aber auch äußere Bestrafungsprogramme laufen zahlreich. Zum Beispiel, dass wir beim Wechseln stark krampfen, so als würden dem Körper Elektroschocks verabreicht werden. Für die Nacken- und Rückenmuskulatur ist das furchtbar anstrengend und wir haben deshalb dauerhaft Schmerzen.

Vor allem in den letzten drei, vier Monaten haben wir vermehrt versucht, Ruhe reinzubringen. Unsere Körper steht unverändert unter Hochstress und das spüren wir. Wahnsinnig schnell geraten wir in Angstzustände, erleben eine extreme Überforderung, rutschen in die Handlungsunfähigkeit. Wir sind immer fürchterlich angespannt, vermuten Gefahr überall; die Muskulatur ist steinhart und alles tut weh. Früher haben wir diese Schmerzen weitestgehend dissoziiert und abgespalten, jetzt holen sie uns alle ein.

Deswegen hat Wifey uns Entspannung und Erholung verordnet! Wir lesen unglaublich viel bzw. liest sie unseren Innenkindern vor. 📚 Ihnen wurde noch nie zuvor vorgelesen. Die allermeisten von ihnen kennen keine schönen Geschichten, hatten noch nie zuvor ein Buch gesehen. Sie lieben es, sich mit Wärmflasche, Glubschi und Lolli im Bett einzukuscheln und Geschichten über Frau von Schmidt, Dinosauriern, Einhörnern, magischen Tierwesen und Sternenfreunden und vielem mehr zu lauschen. 🐱🦄🦊🦕 Das machen wir inzwischen jeden Tag und infolgedessen haben wir uns natürlich vermehrt aus den sozialen Medien zurückgezogen und verbringen kaum mehr Zeit auf Instagram. Zu Weihnachten haben wir aber von einigen Menschen, die uns hier folgen, um die 20 Kinderbücher geschenkt bekommen, worüber wir uns so, so sehr gefreut haben. 🧡 Außerdem haben wir uns einen Bibliotheksausweis geholt und nun eine total schöne, große Auswahl an Büchern für die unterschiedlichsten Geschmäcker zu Hause. 🥰 

Ehemals kultloyale Jungs haben einen festen Tag in der Woche bekommen, an denen sie von Wifey bekocht werden (sie alle kannten gar kein normales Essen) und anschließend schauen sie einen Film. Erst die komplette X-Men Reihe, nun die Avengers Filme. Und die jüngeren von ihnen gucken sich die Harry Potter Filmen an und spielen dies im Innen auch fleißig nach. ☺️ Eine höherrangige Innenperson hat seine Freude an Herr der Ringe und Kuchen entdeckt, und ein paar Mädchen aus dem System der Zwangsprostitution schauen liebend gerne Kamikaze Kaitou Jeanne, Sailor Moon oder Vampire Diaries! Es geht ihnen allen etwas besser. Und das macht uns glücklich.

Ich weiß nicht, wie vielen Innenpersonen sich insgesamt seit unserer Flucht besser fühlen und auch im Innen keine Gewalt mehr erleben müssen. Wir wissen schließlich auch nicht, wie viele wir überhaupt sind. Ob es eintausend oder zweitausend von uns gibt. Aber wenn es 5% des Gesamtsystems inzwischen vergleichsweise deutlich besser geht, haben wir bislang alles richtig gemacht. Ausstieg dauert eine sehr lange Zeit. Vielleicht haben wir diese nicht, aber wir werden nicht aufhören, jeden einzelnen Tag in Freiheit so schön wie möglich zu gestalten. 🌱🌿

(Meeresbande)

Rituelle Gewalt und Narben

Vor einiger Zeit erwähnten wir, dass wir, im Gegensatz (!) zu anderen Betroffenen von organisierter ritueller Gewalt, nicht viele „schlimme“ Narben hätten und nach außen hin relativ unversehrt aussehen würden. Diese Aussage war vielleicht etwas missverständlich, weil daraufhin viele Leser irritiert nachfragten, ob wir denn gar nicht vernarbt seien. Doch, natürlich haben wir Narben! Das bleibt bei den Gewalterfahrungen nicht aus; wir können uns nicht vorstellen, dass man bei all dem auch nur halbwegs unverletzt davonkommen könnte. Neulich las meine Frau einen Artikel bzw. ein Interview von zwei Betroffenen, die organisierte Gewalt (Kinder-/Zwangsprostitution, sadistische Folter etc.) erlebt haben, und heute unter ganz extremen körperlichen Folgeschäden leiden. Täter, insbesondere hochgradig sadistische und psychopathische Menschen, gehen nicht sehr zimperlich mit ihren Opfern um und vielfach überleben diese Kinder die Torturen nicht; es gibt zum Beispiel einen sehr großen Markt für sogenannte „Snuff Pornos“, bei denen Kinder vor laufender Kamera stundenlang zu Tode gequält werden. Auch das haben wir miterleben müssen. Am Ende dieses Beitrags teilen wir hierzu ein Zitat von Michaela Huber, dem wir aber eine ganz massive Trigger Warnung voraussetzen werden.

Sollen die Opfer jedoch nicht nur überleben, sondern einem unauffälligen „Alltagsleben“ nachgehen, wie es für die meisten progr. Systeme angestrebt wird, achten Täter eher darauf, dass die Verletzungen nicht zu offensichtlich ausfallen. Spätestens mit Beginn der Schulzeit (wir wurden daher auch erst recht spät mit sieben Jahren eingeschult) achten sie weitestgehend darauf, dass Kind nicht allzu übel zuzurichten, wobei viele Wunden und Narben durch Kleidung kaschiert werden können. Knochenbrüche oder innere Verletzungen, die hingegen längere Heilungszeit benötigen, fielen bei uns überwiegend in die Schulferien. Während dieser Wochen wurden wir dann auch erneut komplett isoliert und man achtete darauf, dass wir uns auf gar keinen Fall mit FreundInnen treffen.

Im Elternhaus musste natürlich nichts vertuscht werden, weil sämtliche Familienmitglieder involviert sind. Bei den zahlreichen Verletzungen, akuten Verbrennungen Entzündungen, Knochenbrüchen etc. stelle ich mir dies auch wahnsinnig schwierig vor.

Zu jeder Zeit wussten unsere Täter, wie weit sie gehen können und wie lange Verletzungen brauchen, um zu verheilen. Wir haben wirklich dutzende Innenkinder, die im Innen tatsächlich „tot“ sind, weil sie während der Folter verstorben sind und nicht mehr mitbekommen haben, wie der Körper reanimiert wurde. Dennoch haben wir, anders als manch anderes System, keine sehr tiefen, breiten und geröteten Narben, die teilweise sogar sehr sichtbar sind, zum Beispiel am Hals. Solch tiefe und großflächigen Schnittwunden wurden uns nicht zugefügt, weil es nicht den „Kundenwünschen“ in der „Edel Zwangsprostitution“, wie wir sie erlebt haben, entsprochen hat! Andere Betroffene hingegen wurden ganz explizit an Menschen verkauft, die damit auch das „Recht“ erworben haben, dem Körper sadistische Gewalt zuzufügen, wie eben Aufschneiden, Verbrennen usw. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Jedes System wird eben für spezifische Aufgabenbereiche ausgebildet, was sich häufig am Rang des Opfers orientiert und welche Pläne der Kult weiterhin anstrebt. Bei uns wäre es zum Beispiel auch so gewesen, dass wir demnächst wieder ein Kind hätten bekommen müssen, das dann ebenfalls programmiert worden wäre. Wären wir offensichtlich vernarbt, hätte dies später im Kindergarten oder der Schule des Kindes wirklich Fragen aufwerfen können! Das oberste Gebot in unserer Tätergruppierung ist nun einmal die maximale Geheimhaltung, wozu auch unauffälliges Verhalten gehört.

Nochmal: Das bedeutet NICHT, dass wir KEINE Narben haben. Unser Körper weist sogar sehr viele Narben auf, doch die meisten sind inzwischen verblasst und somit vor allem von weitem weniger sichtbar. Besonders unsere Oberschenkel sind betroffen, weil man an den Beinen Wunden und Narben natürlich wesentlich einfacher verdecken kann. Auch im Intimbereich haben wir ziemlich große und lange Narben.

Zusätzlich haben wir ein sehr bestimmtes „Narbenmuster“, das uns Alltagsleuten immer schon aufgefallen ist, noch ehe wir über alles Bescheid wussten, es aber nicht zuordnen konnten. Bis wir erfahren hatten, dass in der Zwangsprostitution sehr oft eine bestimmte „Technik“ eingesetzt wird, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen, die diese Narben hervorrufen. All das sieht man unter langer Kleidung nicht. Auch damals in der Schule im Sportunterricht trugen wir niemals kurze Hosen und Shirts, sondern waren immer voll bedeckt.

Die Narben an unseren Armen stammen überwiegend von Selbstverletzungen als auch Bestrafungsprogrammen und sind weniger schlimm als jene, die direkt von Tätern zugefügt wurden. Für die Täter war es häufig ein schwieriges Abwägen: Einerseits sollten wir (für die Zwangsprostitution und zu Zwecken der Unauffälligkeit) möglich unversehrt aussehen, andererseits wollten sie uns Gewalt zufügen und so gibt es auch tatsächlich etliche Programm-Kinder, die den Körper Schnittwunden zugefügt haben. Für unseren rechten Oberarm stand sogar kurzfristig eine mögliche Hauttransplantation o.ä. an (auch wollte eine Kultärztin die ganzen Narben alle noch einmal aufschneiden und öffnen, um sie dann schön zu vernähen), am Ende wurden sie durch eine Tätowierung gecovert. Viele Selbstverletzungsnarben sind jedoch schon 10-15 Jahre alt und stark verblasst.

Es ist allerdings auch so, dass wir eine enorm gute Wundheilung haben. Aus diesem Grund haben die Täter irgendwann stets darauf geachtet, dass wir zum Beispiel ausreichend ernährt sind, also kein Untergewicht und Mangelernährung haben, nicht rauchen, nicht trinken, keine Drogen nehmen. All das kann die Wundheilung sogar ganz massiv stören und dies wäre für den Kult fatal gewesen! Es braucht bei uns auch schon sehr starke Gewalteinwirkungen, ehe wir Hämatome entwickeln. 

Alles in allem haben wir selbstverständlich Folgeschäden durch die erlittene Gewalt und unser Körper etliche Baustellen. Ganz extreme Narben weisen wir jedoch nicht auf. Das war nicht erlaubt. Im Umkehrschluss heißt das nicht, dass das bei allen anderen Betroffenen ebenso wäre. Uns erreichten damals private Nachrichten, dass es schlichtweg falsch wäre, zu behaupten, Betroffene von ritueller Gewalt seien niemals vernarbt; wir würden anderen Opfern ihre Erfahrungen absprechen, wenn wir dies behaupten. Allerdings haben wir dies niemals geschrieben und halten die Aussage auch für fundamental falsch! Solch eine Verallgemeinerung wäre selbstverständlich unangemessen und ich hoffe, dass wir es mit diesem Beitrag noch einmal besser erläutern konnten.

Abschließend ein Zitat aus „Multiple Persönlichkeiten“ von M. Huber, um zu verdeutlichen, welche Torturen DIS Systeme, die im org. Verbrechen entstehen, überstehen müssen. Und warum wir alle – sichtbare und unsichtbare – Narben davontragen. Das Beispiel ist eine „dort“ ganz normale, alltägliche Situation. Varianten hiervon haben wir selbst wohl immer wieder erlebt. Die Täter bzw. „Kunden“ in diesem Beispiel waren zum Teil sehr reiche Familienväter. Betroffenen von dieser Gewaltform raten wir dringend ab, weiterzulesen.

▪️ Trigger Warnung: „Ich muss über glühende Kohlen gehen. (…) Ich muss zu den Männern hingehen, und sie verbr*nnen mich ein bisschen mit den Fackeln. Meine Br*stwarzen werden auch angebr*nnt. Tut sehr weh … Mir wird ganz komisch, und alles tut sehr weh, so weh, dass ich nicht mehr denken kann. Dann binden sie mich fest an den vier Stäben mit Händen und Füßen über den glühenden Kohlen. Sie stecken mir Holzstäbe in den Mund und zwischen die Beine. Das schmerzt, und ich kann keine Luft mehr kriegen, und mein Gaumen ist irgendwie zerrissen und wund. Von unten ist es tierisch heiß. (…) Die Männer kommen und br*nnen mit den Fackeln wieder so am Rücken und Bauch, und es wird noch heißer und tut wieder so weh. (…) Die Frau holt die Stäbe aus mir raus, und die Männer stecken ihre Geschl*echtste*le in mich rein. Sie feuern sich ein bisschen an. (…) Zum Schluss krieg ich noch eine grade gelöschte Fackel in den Mund und auf die Br*ste. Sie heben mich da weg auf diesen Tisch und stecken mir so Nadeln in den Bauch. (…) Also ich lieg auf dem Rücken mit den dünnen Nadeln in mir, und da obendrauf sind so rote Kügelchen, und sie kippen ganz heißes Zeug über mich. So rötlichen heißen Alkohol. Sherry oder was weiß ich. Heiß jedenfalls. Sauheiß. Aber mir tut eh schon alles weh, und rühren kann ich mich auch nicht mehr, und das Rote waren kleine Kirschen, die sie dann während der nächsten Verg*walt*gung abgegessen haben und sich köstlich amüsierten, während ich diese höllischen Schmerzen hatte.“ (S. 23) ▪️

Gibt es mehr gute oder schlechte Menschen?

Wir stellen uns im Moment sehr häufig die Frage, ob es mehr gute oder schlechte Menschen auf der Welt gibt. Eine Jugendliche schrieb vor kurzem diese Zeilen, die sie auf unserem kleinen Account geteilt hat:

„In spite of everything, I still believe that people are really good at heart.”

― Anne Frank

Manchmal würde ich so gerne an Annes Worte glauben. Aber oft fällt es mir schwer daran zu glauben, dass es mehr gute als schlechte Menschen gibt. Was auch wenig verwunderlich ist, wenn man mehr schlechte als gute Menschen kennengelernt hat. Kennenlernen durfte. Der Kult hat stets sorgfältig darauf geachtet, dass wir ausschließlich schlechte Menschen kennengelernt haben und ja keine guten. Es gab sie trotzdem, aber sie waren eben Raritäten. Da gab es die eine liebe Lehrerin in der Schule, ein paar liebe Mitschüler. Oder auf unserer Arbeit hatten wir manchmal liebe Patienten mit denen wir wunderbare Gespräche führen durften. Und auch hier lernen wir immer wieder einfühlsame und herzliche Menschen kennen, die unser Herz berühren. Einfach nur indem sie sie sind. 🤍🕊

Deswegen fühle ich mich aber umso schlechter, wenn ich denke, dass es mehr schlechte als gute Menschen gibt. Ich will nicht so denken, aber immer wenn neue Erkenntnisse rauskommen fällt es mir umso schwerer nicht zu glauben, dass die gesamte Menschheit verloren ist. Ich glaube dann, dass das Böse immer siegen wird, weil die guten Menschen in der Minderheit sind. Ich will nicht so denken, aber ich kann nicht anders. Und das sind Tage, die mir Angst machen. Denn das würde bedeuten, dass es hoffnungslos und aussichtslos ist. Dieser Gedanke trägt eine Verbitterung mit sich, die wir nie haben wollten. Wir wollen an das Gute glauben. So sehr. Aber an manchen Tagen ist es schwerer als an anderen. Und ich weiß nicht, wie ich es wieder schaffen kann an das Gegenteil zu glauben. Ich möchte die Hoffnung nicht verlieren, aber manchmal ist es einfach leichter so zu denken, weil erneute Verletzungen und Enttäuschungen dann weniger weh tun.

Aber damit tue ich auch so vielen Menschen Unrecht, die es gut meinen. Das möchte ich auch nicht. Vielleicht muss man sich aktiv dafür entscheiden, an das Gute zu glauben. Ich weiß es nicht.“ (Zitat Ende)

Abgesehen von den Alltagspersonen sind alle von uns der festen Überzeugung, dass es entweder nur böse Menschen gibt oder dass diese zumindest in der überwältigenden Übermacht sind. Wir vom Alltag sind uns da nicht so ganz sicher. Viele von uns wollen an das Gute im Menschen glauben, aber es fällt uns zunehmend schwerer. Wir kennen zwar inzwischen wirklich gute und liebevolle Menschen, denen wir auch vertrauen, aber trotzdem kennen wir auch genügend Menschen, die das komplette Gegenteil sind und es ist manchmal schwierig, da nicht die Hoffnung zu verlieren.

Gerade wenn wir mehr über unsere Vergangenheit und die Zusammenhänge erfahren, ist es schwierig bis unmöglich nicht zu denken, dass es keine für uns alle Hoffnung gibt. Und dass die gesamte Menschheit verloren ist.

Als wir diese Zeilen weiter oben geteilt haben, haben wir einige Kommentare bekommen, die uns zum Nachdenken angeregt haben. Auch mit einem lieben befreundetem System haben wir über dieses Thema geredet und sie meinten zu uns, dass sie nicht wissen, ob es mehr gute oder schlechte Menschen gibt, aber dass es darauf auch gar nicht ankommt. Es kommt mehr darauf an, dass es überhaupt gute Menschen gibt und dass die guten Menschen zusammenhalten und sich somit gegen das Böse verbünden! Denn: Liebe wird immer stärker als Hass sein. Hass kann nur zerstören, Liebe hingegen kann aufbauen und Neues erschaffen. 🌱🌻

Es wird vermutlich immer böse, gewalttätige Menschen geben. Diese gab es immer schon, seit Anbeginn der Menschheit. Das können wir erst einmal nicht ändern. Was wir aber ändern können, ist unser eigenes Verhalten. Wir können uns fragen, wie wir sein möchten und was wir in unserem Leben erreichen möchten. Möchten wir ein Mensch sein, der dafür sorgt, dass andere Personen anfangen an das Gute zu glauben? Oder möchten wir ein Mensch sein, der das Gegenteil bewirkt? Wir können versuchen füreinander da zu sein. Uns gegenseitig Trost, Hoffnung und Geborgenheit schenken. Sei es durch Worte oder durch Taten. Sei es hier im Internet oder im realen Leben. Unsere Existenz wird immer einen Unterschied machen und sei es nur für eine einzige Person. „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ ist ein bekanntes Zitat aus Spider-Man, und wir glauben an die Macht von Güte, Sanftmut, Rücksichtnahme und Herzlichkeit. Auch im Kleinen kann jede einzelne Begegnung Veränderungen in der Welt bewirken. „Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“ heißt es nicht umsonst. Wir alle können einen Unterschied in der Welt machen. Deswegen ist keine gute Tat jemals umsonst.

Wir alle verlieren von Zeit zu Zeit die Hoffnung. Aus diesem Grund wollten wir unter diesem Beitrag gerne mal alles sammeln, was euch persönlich Hoffnung gegeben hat. Ihr dürft von positiven Erfahrungen berichten, die ihr gemacht habt oder Sätze teilen, die euch Kraft und Hoffnung geben. Ganz egal, was! Hier möchten wir einmal alles positive sammeln, damit diejenigen von uns, die gerade verzweifelt und traurig sind, diese Sachen lesen und somit vielleicht neue Zuversicht schöpfen können. ✨🌈

Urvertrauen & Mind-Control

„Unter Urvertrauen versteht man in der Psychologie jene innere emotionale Sicherheit, die ein Kind in den ersten Lebensmonaten entwickelt, d. h., das Kind entwickelt das positive Grundgefühl, dass es Menschen vertrauen kann, dass diese ihm wohlgesonnen und verlässlich sind.“

(Quelle https://lexikon.stangl.eu/1932/urvertrauen – aufgerufen am 29.09.21)

Wenn ein Kind in seinen ersten Lebensmonaten (und -jahren) verlässliche Bezugspersonen hat, dann kann es so etwas wie ein „Urvertrauen“ entwickeln. Wenn ein Kind diese Verlässlichkeit jedoch nicht erfährt, dann fehlt ihm das Urvertrauen, was für das eigene Leben von enormer Bedeutung ist. Im Kontext von ritueller Gewalt ist die Zerstörung dieses Urvertrauens ein elementarer Bestandteil der Programmierung! Anders kann eine erfolgreiche Programmierung kaum funktionieren, weil das Kind von Anfang an lernen muss, dass es niemandem vertrauen kann. Das Kind muss lernen (in absichtlich inszenierten Trainingssituationen), dass ausnahmslos alle Menschen in seiner Welt ihm böse gesinnt sind und es niemandem vertrauen darf. Alle werden es früher oder später verraten. Dafür, dass es gewagt hat, zu vertrauen oder sich jemandem anzuvertrauen, wird es schwer bestraft. Und immer wieder enttäuscht. Es ist vollkommen allein, einsam, isoliert. Somit wird es sich auch niemals Hilfe suchen und auch niemals auf die Idee kommen, abhauen zu wollen, weil das aus seiner Perspektive ohnehin zwecklos ist, weil eh alle Menschen *dazu* gehören. Bei uns denken fast alle Personen mit nur wenigen Ausnahmen so. Selbst wir aus dem Alltag haben diese Glaubenssätze tief verinnerlicht und sind sehr misstrauisch.

Immer wieder überrascht es uns zu merken, dass andere Menschen da völlig anders ticken als wir. Die meisten Menschen, die ein tiefes Urvertrauen besitzen, gehen unbewusst davon aus, dass  Menschen gut sind. Wenn sie dann einmal eine negative Erfahrung machen und sie auf einen Menschen treffen, der ihnen böses möchte, dann sind sie völlig überrascht.

Sie haben damit nicht gerechnet. Sie rechnen nicht damit, dass jemand ihnen schaden möchte. Deshalb können sie dann auch Ärger und Wut empfinden, weil sie eben enttäuscht und auch ein Stück weit verraten wurden. Es können heftige Gefühlsausbrüche (Trauer, Verzweiflung, Tränen, Schock) die Folge sein, weil ihre heile Welt ein wenig einbricht. Wenn uns hingegen jemand etwas böse möchte und uns verrät – dann wundert uns das nicht, weil wir damit gerechnet haben. Menschen ohne Urvertrauen gehen davon aus, dass alle Menschen böse sind und wenn sie dann einmal auf einen bösen Menschen treffen, dann bestätigt es nur das, was sie ohnehin erwartet haben. Sie reagieren eher gleichgültig und schulterzuckend, weil es für sie keine Überraschung ist, dass es böse Menschen gibt. Für sie ist es viel eher eine Überraschung, wenn sie auf nette und gute Menschen treffen. Das können sie oftmals nicht glauben und sie sind der Meinung, dass sie das nicht verdient haben und dass ihnen dies nicht zusteht.

Deshalb tun sich auch sehr viele traumatisierte Menschen so schwer, anderen Menschen zu vertrauen und Gutes anzunehmen. Wenn jemand ihnen etwas Negatives sagt, glauben sie dies sofort. Wenn jemand ihnen etwas Positives sagt, können sie es nur sehr schwer annehmen. 

Für Betroffene von ritueller Gewalt ist dies alles nochmal eine Spur extremer als bei komplexe traumatisierten Personen ohne einen solchen Hintergrund. Das Urvertrauen wird hier bewusst zerstört ebenso wie die Bindung zu seinen primären Bezugspersonen, in der Regel die Mutter-Kind-Bindung. Dies ist auch dafür wichtig, dass der Säugling bzw. das Kleinkind sich an seinen Haupt-Programmierer bindet. Denn Bindung braucht der Mensch und nur wenn die eigenen primären Bezugspersonen nicht verfügbar sind, entsteht diese dringend notwendige zwischenmenschliche Bindung zu seinen Programmierern. (Für den Fall, dass Opfer und Programmierer aus irgendwelchen Gründen auch immer nicht „harmonieren“, wird dem Kind ein anderer Programmierer zugewiesen!)

Auch wird das Kind im Kult herumgereicht, damit es sich sowohl an die Täter als auch die Ideologie bindet (gleichzeitig gibt es auch dort keine Beständigkeit oder Verlässlichkeit); bei uns denken vor allem die Kinder aus reinen Kult-Systemen, dass wir gar keine leiblichen menschlichen Eltern haben, sondern S*tan unser Vater ist. Tagsüber werden diese Kinder zum Beispiel konsequent von der Mutter oder anderen Erwachsenen ignoriert und vernachlässigt; sie werden nicht gewickelt, nicht gefüttert, nicht gehalten oder beruhigt. Erst in der Nacht erhält es im Kult Aufmerksamkeit und dahingehend Zuwendung, dass es Nahrung und Trinken bekommt und vielleicht sogar in eine warme Decke gewickelt wird.

Früher ging man davon aus, dass sich Urvertrauen während der ersten Lebensjahre entwickelt. Heute weiß man, dass es bereits im Mutterleib beginnt und vor allem die ersten Lebensmonate entscheidend sind! Unser Kult nutzt Mind-Control Techniken, die während der letzten ca. 60-70 Jahre erforscht, entwickelt und perfektioniert wurden. Sie sind Grundlage vieler Programmierungen auch außerhalb unserer Tätergruppierung, zum Beispiel in satanischen Kulten. Für die wirklich komplex progr. Systeme unseres Kultes ist es unerlässlich, dass die Mutter involviert ist! Denn Urvertrauen entsteht bereits im Mutterleib: Das Ungeborene spürt die Gefühle seiner Mutter ihm Gegenüber. Die Frauen unseres Kultes werden noch in der Schwangerschaft mit Elektroschocks gef*ltert, um zu dissoziieren und sich vom Körper zu entfremden.

Direkt nach der Geburt ist es eigentlich von enormer Wichtigkeit, dass das Kind Hautkontakt zur Mutter (oder ggf. dem Vater) herstellt. Hierfür gilt ein Zeitfenster von nur wenigen Stunden. Deswegen bekommen die Mütter ihr Neugeborenes normalerweise auch direkt an die Brust angelegt, damit das sogenannte „Mutter-Kind-Bonding“ oder „Baby Bonding“ stattfinden kann, die die Bindung fürs Leben festigen soll. Im Kult wird das Kind umgehend weggenommen! Es wird nicht von der Mutter versorgt. Sie darf es nicht halten. Umgehend wird versucht, die „hoffentlich“ ohnehin bereits gestörte Bindung weiter zu zerstören.

Stellt sich im Laufe der ersten Lebensmonate spätestens bis zum zweiten, dritten Lebensjahr jedoch heraus, dass sich das Kind trotz allem an seine Mutter gebunden und im „schlimmsten Fall“ sogar Urvertrauen entwickelt hat, wird es als für die Programmierung maximal unbrauchbar „aussortiert“ (in der Regel getötet).

Bei uns sind die meisten Personen der felsenfesten Überzeugung, dass es nur böse Menschen gibt und dass es niemals eine Person geben wird, die gut ist. Vertrauen ist für sie ein Fremdwort und mit großer Angst besetzt, weil sie häufig in Situationen gebracht wurden, in denen ihr Vertrauen ausgenutzt und verraten wurde. Das gehört zu sämtlichen Trainingseinheiten dazu und ist eine Grundlektion, die sehr früh gelernt und verinnerlicht wird. Das Unrechtsbewusstsein wird ebenso abtrainiert, sodass das Kind früh lernt, dass es nichts an seiner Situation ändern kann und dass es sowieso nichts anderes verdient hat. Es ist böse, wertlos, unwichtig, nur dazu da, etc. Nur so kann ein Kind die Gewalt „stoisch“ ertragen und wehrt sich niemals.

Vor einer Weile ist sowohl uns als auch meiner Frau Unrecht getan worden. Obwohl sie selbst auch nicht unbedingt ein Urvertrauen besitzt, weil sie auch eine kPTBS sowie eine DIS hat, konnte sie Wut empfinden und das Unrecht anerkennen. Wir hingegen waren resigniert und es hat bei uns nur Innenpersonen aktiviert, die permanent „Wir wussten es doch, dass man niemandem vertrauen kann. Ihr (vom Alltag) seid selbst Schuld, wenn ihr so doof seid und jemandem vertraut! Jetzt seht ihr ja, was ihr davon habt!” gesagt haben. Wir waren nicht wütend auf die Person, die uns schlecht behandelt hat, sondern auf uns selbst, weil wir den schlimmen Fehler gemacht haben, dieser Person zu vertrauen.

Meine Frau war wütend auf die Person, wir hingegen nur auf uns selbst. Sofort dachten wir alle „Man kann niemandem vertrauen, diesen Fehler werden wir nicht noch einmal machen” und „Alle Menschen sind böse, ausnahmslos alle”, was uns irgendwie auch leid tut, weil es unfair gegenüber den Menschen ist, die nicht so sind und die es gut mit uns meinen.

Es hat jedoch eine ganze Weile gebraucht bis unser Inneres wieder etwas zur Ruhe gekommen ist und wir wieder Vertrauen in die Menschen um uns herum haben konnten.

Und dennoch glaubt der Großteil von uns, dass es eben doch die Wahrheit ist, dass man niemandem vertrauen kann. Obwohl wir unsere Helfer und Freunde schon so eine lange Zeit kennen, gibt es so viele Personen, die immer noch nicht darauf vertrauen, dass sie nicht verraten werden. Das ist auch einer der Gründe, warum es uns so schwer fällt neue Freundschaften aufzubauen. (Häufiger schreiben uns Menschen per DM an, dass sie gerne Kontakt aufbauen und sich mit uns anfreunden möchten. Manchmal reagieren wir gar nicht, obwohl das mit der Zeit extrem viel Druck aufbaut, manchmal sagen unsere Freunde für uns ab. Es tut uns so leid, aber enge Kontakte sind mit so vielen Ängsten verbunden.) Lieber haben wir wenige Freunde, denen wir vertrauen als eine Menge Freunde, denen wir (gefühlt) nicht vertrauen können. Es dauert sehr lange bis wir jemanden in unser Herz lassen, aber wenn wir dies erst einmal zulassen, dann würden wir (fast) alles für diese Person tun.

Ein paar abschließende Worte: Wir machen insbesondere seit unserer Flucht im letzten Jahr inzwischen wiederholt die Erfahrung, dass es wirklich liebevolle und herzensgute Menschen gibt. Die Nachrichten, die wir häufiger erhalten, berühren uns oft sehr und wir gehen nicht davon aus, dass diese Menschen uns anlügen und eigentlich böse wären. Trotzdem können wir solche DMs oder auch Kommentare manchmal nicht lesen und häufig muss auch unsere Frau darauf antworten, weil die uns geschenkten Worte zu lieb sind. Zu freundlich. Und vor allem: zu unverdient. Wir können damit noch nicht gut umgehen, aber solche Nachrichten richten keinen Schaden an. Nur häufig Unglaube oder Ablehnung querbeet durch das gesamte System. Trotzdem glauben wir, dass etwas von dieser Herzenswärme durchkommt und ankommt und etwas (in uns) verändert .. 🌱🌿

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